Integration in der Backstube

Foto: Martin Stollberg

Die Ulmer Bäckerei Staib geht mit gutem Beispiel voran und beschäftigt aktuell zwölf Mitarbeiter mit Flüchtlingshintergrund, die in dem Betrieb eine Lehre oder Ausbildung machen. Der Geschäftsführer sieht darin nicht nur einen Beitrag zur Integration, sondern auch eine Antwort auf den akuten Fachkräftemangel im Bäckerhandwerk.

Begonnen hat alles im September vergangenen Jahres mit drei jungen Männern aus Somalia, Eritrea und Pakistan, darunter ein gelernter Gartenbauer. Sie waren die ersten Flüchtlinge, die in der Ulmer Großbäckerei Staib eine Lehre begonnen haben und seither zum Bäckergesellen ausgebildet werden – und das mit viel Spaß und großem Erfolg, was offenbar zur Nachahmung anregt. Denn ein knappes Jahr später sind es bereits zwölf Mitarbeiter mit Flüchtlingshintergrund, die in dem Handwerksbetrieb aktuell eine Ausbildung machen. „Sie sind alle mit großem Engagement dabei und können es kaum erwarten, einen deutschen Gesellenbrief in der Hand zu halten“, sagt Ulrich Möschl, der als Produktionsleiter für den Ausbildungsbereich zuständig ist.

Integration in der Backstube. Auf die Idee gekommen war er durch eine Reportage, in der er über die Möglichkeiten und Chancen der Ausbildung von Flüchtlingen in deutschen Handwerksbetrieben gelesen hatte. Im Frühjahr 2015 nahm die Großbäckerei dann Kontakt zur Handwerkskammer auf, über die der Ulmer Betrieb in Deutschkursen nach geeigneten Kandidaten suchen ließ. „Zwischenzeitlich hat es sich in der Flüchtlingsunterkünften in der Region herumgesprochen und die potentiellen Auszubildenden kommen von selber“, sagt Möschl. Was die angehenden Bäckergesellen mitbringen müssen, ist die Begeisterung für Lebensmittel, Fleiß und handwerkliches Geschick. Vor allem aber sind auch ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache gefragt, so der Produktionsleiter.

Um ihnen dabei  zu helfen, hat die Bäckerei für ihre neuen ausländischen Lehrlinge einen sogenannten „Azubi-Fahrplan“ entwickelt. Darin ist jeder Posten detailliert in Wort und Bild beschrieben und kann in die jeweilige Landessprache übersetzt werden. Das habe sich als bestes Lehrmittel gezeigt, so Möschl, der den Erfolg auch konkret beziffern kann. So hätten etliche Azubis anfangs große Probleme mit der Sprache gehabt und kaum Deutsch gekonnt, zwischenzeitlich hätten sie dank zusätzlicher Hausaufgaben im Betrieb in den Pflichtfächern eine Zwei im Zeugnis. „Unser System hat sich bewährt und funktioniert sehr gut“, sagt Möschl.

Die Flüchtlinge selbst, von denen etliche in ihrer Heimat schon einen handwerklichen Beruf erlernt haben, danken es ihrerseits mit großem Engagement und zuverlässigem Einsatz, wovon wiederum die Bäckerei mit ihren 400 Mitarbeitern profitiert. Seit einigen Jahren verliert das Bäckerhandwerk kontinuierlich Fachkräfte. Es kommen leider nicht mehr genügend nach, sagt Geschäftsführer Marcus Staib. In den 1990er Jahren habe es in der Berufsschule Ulm noch rund 100 Bäckerlehrlinge gegeben, im letzten Ausbildungsjahr seien es gerade einmal 25 gewesen. „Wir suchen für unsere Bäckerei jedes Jahr vier bis sechs Lehrlinge und konnten diese offenen Lehrstellen die letzten Jahre nicht besetzen", so Staib. Im Jahr 2014 habe sein Betrieb sogar nur einen geeigneten Lehrling gefunden. Mit der Ausbildung von Flüchtlingen hat die Ulmer Großbäckerei nun eine Antwort auf den Fachkräftemangel gefunden, die auch als Beispiel für andere Betriebe dienen kann. Es sei ein mutiger Schritt, Flüchtlinge auszubilden, sagt Ulrich Möschl, der dabei aber nur gute Erfahrungen gemacht hat. „Wir haben uns dafür entschieden und bereuen diesen Weg keine Sekunde“, betont er. „Denn wir haben fleißige, motivierte und begeisterungsfähige Mitarbeiter gewonnen.“

Foto: Martin Stollberg
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