Integrationspotenziale im ländlichen Raum stärken

Foto: Markus Heffner

Wie kann die Flüchtlingshilfe in ländlichen Regionen noch nachhaltiger und effektiver gestaltet werden? Und auf welchem Weg kann Integration gelingen? Mit Fragen dieser Art haben sich die Führungskräfte des Landfrauenverbands Baden-Württemberg auf einer Klausurtagung beschäftigt. Unter den Gästen auf dem Podium waren auch Staatsrätin Gisela Erler und Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz.

Auf Anregung der Arbeitsgemeinschaft der Landfrauenverbände in Baden-Württemberg hat die Akademie Ländlicher Raum Baden-Württemberg eine Klausurtagung für Führungskräfte der Landfrauenverbände Südbaden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern organisiert. Unter dem Titel „Landfrauen als Partnerinnen bei der regionalen Entwicklung – Ehrenamt und Integration“ wurde dabei in Stuttgart diskutiert, welche Herausforderungen und Chancen sich aus der aktuellen Flüchtlingslage für den Ländlichen Raum Baden-Württembergs ergeben und wie erfolgreiche Integrationsprojekte aussehen können. Zusammen mit Gisela Erler, der Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, konnten sich die Landfrauen darüber informieren, wie sie für ihr ehrenamtliches Engagement Unterstützung erhalten und so eine lebendige Zivilgesellschaft gestalten können.

„Baden-Württemberg hat traditionell eine besonders aktive und empathische Bürgerschaft. Landfrauen leisten als Multiplikatorinnen vor Ort eine herausragende Arbeit, um das Gesicht unserer Gemeinden positiv zu verändern", betonte Gisela Erler dabei: „Ohne ihren ehrenamtlichen Einsatz – beispielsweise in der Weiterbildungsarbeit vor Ort, bei der Integration von Flüchtlingen in unsere Gemeinden oder in den Kommunalparlamenten – gäbe es weniger Lebensqualität und weniger Solidarität in unseren Dörfern. Ihr Engagement ist ein Glücksfall für das Land".

Durch den demografischen Strukturwandel sind innovative Lösungen gefragt, um den Ländlichen Raum fit für die Zukunft zu machen. Auch die geflüchteten Menschen, die in den letzten Monaten ins Land gekommen sind, verstärken den Bedarf nach gesellschaftlichem Zusammenhalt. Wie die Integration der Flüchtlinge konkret aussehen kann und welche Vorteile eine Integration auf dem Land hat, wurde auch mit Friedlinde Gurr-Hirsch diskutiert, Staatsekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz.

„Nur vitale ländliche Räume können ihre Integrationspotentiale voll entfalten und zur Geltung bringen. Mit ihrer integrierten Strukturpolitik für den Ländlichen Raum trägt das Land dazu bei, dass die Mehrzahl der Menschen im Ländlichen Raum mit und ohne Migrationshintergrund bezahlbaren Wohnraum und zukunftssichere Arbeitsplätze finden und die wohnortnahe Grundversorgung mit Waren und Dienstleistungen gesichert bleibt. Insbesondere mit dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) setzen wir gezielt Impulse in diese Richtung“, so die Staatsekretärin.

So wurden seit dem Jahr 1995 über das ELR landesweit über 1,4 Milliarden Euro an Fördermitteln bereitgestellt, mit denen ein Investitionsvolumen von rund 10,7 Milliarden Euro angestoßen werden konnte. Unter anderem konnten rund 6.200 kommunale und 8.000 private Wohnbauprojekte und 8.900 Investitionsvorhaben von Unternehmen realisiert sowie rund 36.500 Arbeitsplätze direkt geschaffen und eine noch höhere Anzahl gesichert werden. „Damit unsere Ländlichen Räume stark bleiben, wurden auch im Koalitionsvertrag entsprechende Weichen gestellt“, sagte Gurr-Hirsch. Als zentralen Punkt habe die Landesregierung unter Vorsitz von Minister Peter Hauk einen Kabinettsausschuss Ländlicher Raum eingerichtet, der in gemeinsamer Zusammenarbeit aller Fachressorts der Landesregierung gezielt und effektiv die Zukunftsfähigkeit des Ländlichen Raums fördern soll.

„Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund in die Lage zu bringen, einen Job zu finden und den eigenen Lebensunterhalt sichern zu können, ist die vielleicht wichtigste Aufgabe der Integration“, sagte Gurr-Hirsch. Als ein Beispiel für ein explizites Integrationsprojekt sieht sie das Projekt 'Europäische Ausbildungs- und Transfer-Akademie (EATA)' in Ellwangen, in dem Jugendliche aus Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit und junge Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive parallel Sprachschulung und eine Vorbereitung auf den Beruf erhalten. „Auch bei der gewerblichen Förderung im Programm ,Spitze auf dem Land‘ stellen wir fest, dass die Antragsteller vielfach einen hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund als Beschäftigte ausweisen und darauf auch stolz sind“, sagte Friedlinde Gurr-Hirsch. Einen wichtigen Beitrag für die Verbesserung der Lebensqualität im Ländlichen Raum leiste auch das von der Europäischen Union mitfinanzierte Programm „Innovative Maßnahmen für Frauen im Ländlichen Raum“. Insbesondere von dem neu gegründeten Netzwerk 'Nachbarschaftshilfe im ländlichen Raum e.V.' verspricht sich Friedlinde Gurr-Hirsch neue Impulse für den dörflichen Zusammenhalt.

Unter anderem konnten sich die Landfrauen bei der Klausurtagung über die aktuelle Flüchtlingslage in Baden-Württemberg informieren. Der Ombudsmann für Flüchtlingserstaufnahme Karl-Heinz Wolfsturm teilte seine Erfahrungen und Erlebnisse mit. Mit Blick auf die Zukunft wurde das Modellprojekt des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Württemberg vorgestellt, bei dem Flüchtlinge eine Ausbildung im Bereich Hauswirtschaft machen können und zudem intensive Sprachförderung erhalten.