Projekt Bike Bridge: Neue Freiheit auf dem Fahrrad

Drei Sportwissenschaftlerinnen haben in der Unistadt Freiburg das Projekt Bike Bridge ins Leben gerufen und bieten seither Fahrradkurse für Frauen und Mädchen mit Fluchthintergrund an. Viele der Kursteilnehmerinnen, denen in ihrer Heimat Radfahren verboten war, erleben auf diesem Weg ein ganz neues Freiheitsgefühl. Aufgrund der großen Nachfrage beginnen im April nun gleich vier Kurse.

Die Idee zu dem Fahrradprojekt hatte Shahrzad Mohammadi, die dabei ihre eigenen Erfahrungen einbringen konnte: „In meinem Heimatland Iran und auch in vielen anderen islamischen Ländern wird Fahrradfahren bei Frauen nicht gerne gesehen. Sie sind in dieser Hinsicht nicht nur durch Gesetze, sondern auch durch die Gesellschaft eingeschränkt”, erzählt die Projektinitiatorin. Ich selbst wurde als junges Mädchen angesprochen, dass ich absteigen soll, da Frauen nicht Fahrradfahren dürfen. Für mich persönlich bedeutet Radfahren Freiheit. Ich möchte, das die Frauen das erleben können, was ich erlebt habe, als ich zum ersten Mal nach Deutschland kam. Radfahren ohne Angst, ohne soziale und politische Einschränkungen.“

Die Idee zu Bike Bridge war also geboren. Konzipiert und umgesetzt wurde das Projekt von drei Sportwissenschaftlerinnen, neben Shahrzad Mohammadi engagieren sich auch Lena Pawelke und Clara Speidel. Als Zielgruppe haben sie bewusst Frauen und Mädchen ausgewählt, da diese ihrer Ansicht nach häufig nicht erreicht oder vernachlässigt werden in der Flüchtlingsarbeit. Zudem fehle es oft an geeigneten Bewegungs- und Sportangeboten. „Wir sind alle drei Sportwissenschaftlerinnen und glauben an die starke Wirkungskraft des Sports“, betont Lena Pawelke. „Das Fahrrad ist unser Instrument, unser Mittel zum Zweck, um Geflüchtete willkommen zu heißen, sie mit den Menschen hier zusammenzubringen und so den interkulturellen Dialog und Austausch zu fördern." Gleichzeitig wird mit dem Projekt auch die Mobilität der Teilnehmerinnen verbessert und der Zugang zu einem Bewegungsangebot ermöglicht. „Über die Teilnehmerinnen möchten wir auch deren Familien erreichen und ihre Teilhabe an der Gesellschaft fördern“, ergänzt Clara Speidel.

Zu dem Namen „Bike Bridge“ haben die drei Sportwissenschaftlerinnen die Freiburger Blaue Brücke als Logo gestellt, ein Sinnbild für das Brücken bauen und überwinden durch das gemeinsame Fahrraderlebnis. Im Frühjahr 2016 startete Bike Bridge mit einem Pilotprojekt. 10 Teilnehmerinnen saßen damals nach der zweimonatigen Trainingsphase fest im Sattel. Am Ende des Kurses fand eine gemeinsame Fahrradtour statt, dazu wurde ein Abschlussfest am Wohnheim ausgerichtet, an dem auch die Familien teilnahmen.

Das Kurskonzept ist folgendermaßen aufgebaut: Trainiert wird jeweils zweimal die Woche, pro Kurs sind jeweils 10 Trainerinnen dabei. So hat jede Teilnehmerin ihr Tandem, ihre Vertrauensperson und Ansprechpartnerin zugleich. Die ehrenamtlichen Trainerinnen werden in zwei Vorbereitungstreffen darüber unterrichtet, wie man anderen das Fahrradfahren beibringt. Zudem wird in den Workshops zur Vorbereitung auch auf die verschiedenen Kulturen der Teilnehmerinnen und ihre Besonderheiten eingegangen. Nach den theoretischen und praktischen Einheiten folgen Fahrradtouren in der Stadt und Umgebung, Reparatur-Workshops und Freizeitausflüge. Die Übungsplätze befinden sich in der Nähe des jeweiligen Wohnheims, auch ein Verkehrsübungsplatz wird besucht.

Durch das große Interesse und den Erfolg des Projekts starten ab April 2017 nun gleich vier Kurse parallel. „Viele Wohnheime rufen bei uns an und erkundigen sich nach neuen Kursen, gerne würden wir in allen Freiburger Flüchtlingsunterkünften Kurse anbieten“, berichtet Clara Speidel. „Deshalb sind wir momentan auf der Suche nach neuen Fördergeldern und Sachspenden wie zum Beispiel Fahrrädern, die wir den Frauen bei erfolgreicher und regelmäßiger Teilnahme am Projekt gegen eine kleine Gebühr verkaufen können.“ Gesammelt und repariert werden die Fahrräder vom Hauptpartner des Projekts, dem Verein Mountainbike Freiburg.