Unicef-Studie: Warum Jugendliche aus Afrika flüchten

Foto: Unicef / Ashley Gilbertson

Eine neue Studie des Kinderhilfswerks Unicef über die Fluchtursachen und Erfahrungen von geflüchteten oder migrierten Jugendlichen in Europa kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Über die Hälfte der befragten afrikanischen Jugendlichen gab nach der Ankunft in Italien an, dass Europa ursprünglich gar nicht ihr Ziel war.

Für die Studie hat die Organisation „Reach“ im Auftrag von Unicef die Situation von geflüchteten oder migrierten Kindern und Jugendlichen in Italien und Griechenland untersucht. Insgesamt wurden 850 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren interviewt. Demnach flüchten Jugendliche aus Afrika oft ohne Wissen ihrer Eltern - und sie wollen nicht explizit nach Europa, sondern nur weg von Gewalt und Elend. „Auslöser der Flucht ist primär nicht der Wunsch, nach Europa zu gelangen, sondern vielmehr die schreckliche Lebenssituation daheim“, betont Sarah Crowe, Sprecherin des UN-Kinderhilfswerks Unicef.

Gewalt und Bildungsmangel als Fluchtgrund

Während in griechischen Aufnahmezentren meist Familien aus Syrien, dem Irak und Afghanistan seien, kämen in Italien vor allem Afrikaner an. Von Januar bis Juni seien dort 12.000 Minderjährige angekommen, 93 Prozent davon ohne Eltern. Dreiviertel der in Italien befragten Jugendlichen sagten, sie hätten die Fluchtentscheidung allein getroffen. Neben der schwierigen politischen Lage gaben sie als Grund häusliche Gewalt, Zwangsehe oder mangelnde Bildungschancen an.

Wenn der Löwe hinter dir steht

Viele seien oft zwei Jahre unterwegs gewesen und unter schwersten Bedingungen nach Libyen gekommen, so Sarah Crowe. Fast die Hälfte sei in Libyen entführt, festgehalten oder erpresst worden. Erst die desolate Lage dort habe sie zur lebensgefährlichen Flucht nach Europa getrieben. Ein Junge aus Gambia habe ihr die Entscheidung zur riskanten Flucht so erklärt, erzählt Sarah Crowe: „Wenn der Löwe hinter dir steht und das Meer vor dir liegt, gehst du auf's Meer.“