Ein Wahl-Talk mit Asylbewerbern

Foto: Arita Cimermane / Aristos

Im Rahmen des Demokratieprojekts „Neuland.Wahl“ haben Geflüchtete aus der Ortenau Kandidaten zur Bundestagswahl getroffen. In einer zweistündigen Debatte, organisiert vom Jugendmigrationsdienst Lahr, diskutierten sie über Asyl, Waffenexporte und Beteiligung. Sie waren bestens vorbereitet und überraschten unter anderem den AfD-Kandidaten mit einer besonderen Frage.

 „Darf ich als Iraker ihr Nachbar sein?“ Ob der AfD-Kandidat des Wahlkreises Lahr-Emmendingen diese Frage erwartet hatte? Seine Antwort blieb im Vagen: „Im Prinzip ginge das schon. Die Boateng-Aussage meines Kollegen Gauland wurde damals völlig falsch wiedergegeben.“ Die übrigen anwesenden Kandidaten Johannes Fechner (SPD), Alexander Kauz (Linke), Markus Rasp (Grüne) und Peter Weiß (CDU) wollten sich damit nicht zufriedengeben. Immer wieder kam es zu spannenden Auseinandersetzungen, sowohl unter den Kandidaten als auch mit den anwesenden Geflüchteten und Jugendgemeinderäten.

Auch an Bundestagswahlen teilhaben

Der Kandidaten-Talk ist Teil des halbjährigen Projekts „Neuland.Wahl“, das in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal in Lahr durchgeführt wird. Es zielt auf die Teilhabe von Geflüchteten im Kontext der Bundestagswahlen. Projektleiter Felix Neumann des Diakonischen Werkes unterstreicht: „Integration hat nicht nur mit Sprachkursen und Aufenthaltstitel zu tun, sondern auch mit echter gesellschaftlicher Teilhabe. Das Projekt gibt Geflüchteten eine Stimme und vermittelt praktisch die Werte unseres Grundgesetzes.“

Ein Besuch im Stuttgarter Landtag

Neben politischen Exkursionen nach Freiburg und Berlin stand auch ein Besuch im Stuttgarter Landtag auf dem Programm. Bundespräsident Walter Steinmeier hatte die Gruppe zu seinem Antrittsbesuch in den Landtag eingeladen. Aufmerksam wurde er unter anderem auf ihre Raptexte zu Wahlprogrammen der Parteien, die sie gemeinsam mit Zweierpasch geschrieben hatten. Ein neue aber motivierende Auseinandersetzung mit politischen Themen schildert Teilnehmerin Alaa M. aus Syrien: „Wir haben über Mindestlohn, die AfD, die Obergrenze und Waffenexporte geschrieben. Das war total interessant“, erzählt sie.

Migrantenwahlen und Jugendlandtag

Die bunt gemischte Gruppe mit Teilnehmern aus Gambia, dem Irak, dem Iran, Syrien, Afghanistan und Eritrea, zum Teil mit Flüchtlingsanerkennung, zum Teil in Gestattung oder Duldung, bereitet sich damit Schritt für Schritt auf ihre Teilnahme an den Bundestagswahlen vor. Dazu organisieren sie im Jugendmigrationsdienst Lahr am 12. September eine U18/Migrantenwahl, die auch anderen Interessierten offensteht. Durch die Förderung im Programm „Was uns bewegt“ des Landesjugendrings Baden-Württemberg haben sie im November die Möglichkeit, auch im Jugendlandtag in Stuttgart ihre Themen einzubringen. 

(Text: Diakonisches Werk, Dienststelle Lahr)