Vom Flüchtling zum Dozenten an der Popakademie

Foto: Torsten Redler / Popakademie 2016

Der Syrer Firas Hassan ist vor einigen Jahren als Flüchtling nach Europa gekommen. Heute unterrichtet der Percussionist als Dozent an der Popakademie Mannheim Weltmusik, dem bundesweit einzigen Studiengang dieser Art. Zu seinen Studenten gehören neben Nachwuchsmusikern aus Deutschland, Griechenland und der Türkei auch junge Menschen aus Syrien, die wie er selbst aus ihrer Heimat fliehen mussten.

Spielt Firas Hassan die Darbuka, dann verliert er sich schnell im Rhythmus der nordafrikanischen Trommel. „Die Verbindung aus Klang und Körperbeherrschung führt zu einem meditativen Erlebnis. Ich erlebe große Zufriedenheit“, sagt der 37 Jahre alte Syrer. Der Mann mit den schütteren Haaren genießt als arabisch-orientalischer Percussionist hohes Ansehen in Musikerkreisen. Vor einigen Jahren hat er erfolgreich einen Asylantrag in Belgien gestellt. Heute arbeitet er als Hochschuldozent an der Popakademie in Mannheim. Hier, am bisher deutschlandweit einzigen Weltmusik-Studiengang, können Studenten die türkische Baglama ebenso lernen wie die orientalische Oud oder eben auch die Darbuka, ein Instrument, das im nordafrikanischen Raum gespielt wird. Insgesamt zehn Nachwuchsmusiker haben in diesem Wintersemester den Studiengang Weltmusik in Mannheim belegt.

Dabei steht vor allem die Musik des Mittleren Ostens im Mittelpunkt. Unter den Studenten, die auch von Firas Hassan in die Kunst des Percussionspiel eingeführt werden, neben Nachwuchsmusikern aus Deutschland, Griechenland und der Türkei auch fünf geflüchtete Syrer. Der Weg, der Firas Hassan letztendlich nach Mannheim führte, war vor allem von seiner Liebe zur Musik und vom Lernen geprägt. Die akademische Ausbildung in orientalischer und arabischer Percussion erhielt der verheiratete Musiker am Konservatorium im Libanon in den 1990er Jahren. Danach begründete er einen entsprechenden Studiengang am Konservatorium in Damaskus. Als der Bürgerkrieg in Syrien ausbrach, war der Musiker gerade in Spanien, um seine musikalische Ausbildung zu verfeinern. Schnell sei die Lage in seinem Heimatland so gefährlich geworden, dass er in Brüssel um Asyl bat, erzählt er.

Der Kontakt zur Mannheimer Popakademie kam durch die Orientalische Akademie in der Stadt zustande. Einer der Studenten von Firas Hassan ist der 29 Jahre alte Amjad Sukar. Wie das Leben so spielt, haben sich der Lehrer und sein Schüler schon vor Jahren in Syrien kennen gelernt. „Damals hatte mich Firas schon unterrichtet. Ich bin glücklich, dass ich in Deutschland meine Ausbildung fortsetzen kann“, berichtet er. Viele Syrer müssten warten bis sie einer Beschäftigung nachgehen können. Das empfindet auch sein Lehrer als Problem. „Viele unserer Landsleute sind gut ausgebildet. Deutschland würde davon profitieren, ihnen so schnell wir möglich Aufgaben zu geben“, sagt der Musiker. Nicht alle hätten so viel Glück wie er und sie fühlten sich nutzlos.

Aus der Sicht von Udo Dahmen, Geschäftsführer und künstlerischer Direktor der Popakademie, ist es jedenfalls auch ein Glück, dass nun Dozenten und begabte Studenten aus Syrien in Mannheim studieren können. Wie er sagt, hat die Grundidee des 2015 gestarteten Studiengangs Weltmusik zunächst nichts mit dem Thema Flucht zu tun. Zwar sei früh klar gewesen, dass sich der neue Studiengang in Mannheim auf die Musik des Mittleren Ostens konzentriert, so Dahmen.

Aber bei der Konzeption habe man die Gruppe im Blick gehabt, die aufgrund türkischer oder nordafrikanischer Wurzeln einen besonderen Bezug zur mittelöstlichen Musik hat: „Wir setzen darauf, dass sich diese musikalische Richtung wiederum mit anderen musikalischen Genres verbindet und etwas Neues entstehen kann“, sagt Dahmen. Immerhin hätten viele Einwanderer mittlerweile Kinder und Enkelkinder, die im Studentenalter sind. Sie sollten die Chance haben, diese Instrumente in Mannheim zu lernen. Unterstützung kam aus dem Wissenschaftsministerium in Stuttgart. Ministerin Theresia Bauer (Grüne) sagte dazu, die Ausrichtung auf Musiktraditionen der größten Migrantengruppe in Baden-Württemberg sei auch „ein klares kulturpolitisches Signal“. (dpa)