Gemeinsam arbeiten und verweilen im interkulturellen Garten

(Aalen)  Vor knapp zehn Jahren ist in Aalen der erste interkulturelle Garten in Baden-Württemberg angelegt worden. Seither sind sich dort viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen begegnet. Die gemeinsame Arbeit in der Natur soll helfen, Flüchtlingen das Ankommen zu erleichtern und sie motivieren, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Der Ort lädt zum Verweilen ein. Überall stehen bunte Blumen und  malerische Obstbäume, dazwischen wiegt sich das Wildgras im Wind. Es gibt Ruheinseln, Schaukeln für Kinder, Hasen, Hühner, Sandkästen und Gewächshäuser, in denen Gemüse aller Art angebaut wird. Es ist eine prachtvolle Oase, zu der zwischenzeitlich auch eine große Terrasse gehört, die wichtig ist für die vielen Begegnungen an diesem Ort, wie Christoph Class erklärt: „Hier wird geredet und gefestet.“

Treffpunkt für Menschen aus 18 Kulturkreisen

Seit fast zehn Jahren wird der interkulturelle Garten in Aalen nun schon bewirtschaftet, so vielfältig wie die bunten Blumen sind auch die Gärtner selbst: Aus 18 verschiedenen Kulturkreisen kommen die Menschen, die sich hier regelmäßig treffen und gemeinsam arbeiten. „Wer gemeinsam Gemüse sät, Obst erntet und Unkraut zupft, kommt sich auf unkomplizierte Weise näher“, sagt Christine Class, die das Gartenprojekt seit vielen Jahren mit ihrem Ehemann betreut.

Die sinnbildliche Idee hinter dem Garten ist, Heimat zu teilen und den Flüchtlingen und Asylbewerbern dabei zu helfen, in der Fremde Wurzeln zu schlagen. Dazu bringen die Menschen beispielsweise Samen aus ihrer Heimat mit und drücken sie in die Aalener Erde. Gedeihen die Kürbisse oder anderen Pflanzen dann auch hier, werde das Heimatgefühl der Menschen gestärkt, sagt Christine Class, die das Projekt auch mit ihrer Kamera begleitet und darüber schon mehrere viel beachtete Fotoausstellungen gestaltet hat. 

Mit dem Preis für Toleranz und Demokratie ausgezeichnet

Ohnehin ist der interkulturelle Garten in Aalen längst weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, auch anderswo im Land wird zwischenzeitlich nach dem Vorbild des ersten Gartens dieser Art in Baden-Württemberg gemeinsam gegärtnert. Im Jahr 2013 wurde das Projekt mit dem Integrationspreis des Diakonischen Werks Württemberg und der Evangelischen Landeskirche ausgezeichnet. Zuvor hatte das Bundesinnenministerium den Preis für Toleranz und Demokratie überreicht.

Knapp 3000 Quadratmeter groß ist das Grundstück am Hirschbach, das der Stadt Aalen gehört und einst eine einfache Wiese war. Nach dem Spatenstich im Jahr 2006 wurden zunächst 18 Parzellen angelegt, die nun von 18 Familien aus 18 verschiedenen Kulturkreisen bewirtschaftet werden. Aus Pakistan, Thailand, der Ukraine, Vietnam, dem Kongo, Irak, Iran und Syrien. Wo die Menschen herkommen, zeigen die Flaggen, die in dem Garten hängen. Am Zaun kleben zudem einige Sprichwörter in Landessprache und deutscher Übersetzung, wie etwa die pakistanische Redensart: „Was man sät, wird man ernten.“ „Viele Spaziergänger bleiben am Zaun stehen und schauen sich alles an“, erzählt Christine Class. 

Gemeinsame Ausflüge und Projekte

Gute zwei Drittel des Areals werde als Gemeinschaftsfläche genutzt und auch zusammen bearbeitet, regelmäßig werden hier zudem Feste mit selbstgebackenem Fladenbrot und allerlei anderen Leckereien aus aller Herren Ländern gefeiert. „Gerade Flüchtlinge, die im Wohnheim leben, haben hier einen Platz, an dem sie jemanden einladen und sich zuhause fühlen können“, sagt Christine Class. Zudem planen die „Gärtner“, von denen sich viele schon seit Jahren treffen, hier gemeinsame Ausflüge und Projekte, um am Stadtleben teilzunehmen, etwa mit Verkaufsständen auf dem Wochenmarkt. Ganz automatisch lernen die Flüchtlinge bei allem auch noch die deutsche Sprache. „So ein Garten ist ein wunderbarer Ort“, sagt Christine Class, „um Menschen aus fremden Ländern ihre neue Heimat nahe zu bringen.“ (mh)

Foto: Lena-Mara Pfaffl, Interkultureller Garten Aalen