Ausgezeichnete Integrationsarbeit des TB Neckarhausen

Der TB Neckarhausen hat für seine Angebote für Flüchtlinge eine hohe Auszeichnung gewonnen. Die Stiftung „Lebendige Stadt“ und der Deutsche Olympische Sportbund haben dem Sportverein und seiner Heimatkommune Nürtingen den Titel „integrierende Sportstadt“ verliehen, der mit einem Preisgeld von 15.000 Euro verbunden ist. Mit einer Anerkennung bedacht wurde zudem die Duale Hochschule in Stuttgart.

Die Konkurrenz um den Stiftungspreis 2016 war dabei groß: 286 Bewerbungen aus dem Inland und dem europäischen Ausland waren bei der Stiftung „Lebendige Stadt“ und dem DOSB eingereicht worden. Die beiden Organisationen hatten zusammen einen Wettbewerb ausgeschrieben und dabei Städte gesucht, die mit Sportangeboten auf Flüchtlinge zugehen, um auf diesem Weg die Integration und den Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen zu fördern. „Die Bewerbungen haben gezeigt, mit wie viel Kreativität und Engagement Stadtverwaltungen, Vereine und Ehrenamtliche Sportangebote für Flüchtlinge schaffen und darüber hinaus einen ganz wertvollen Beitrag für ihre Integration leisten. Zudem findet darüber ein Austausch mit den hier lebenden Menschen statt. Dieses Engagement verdient unsere Anerkennung und die Projekte Nachahmung. Auch hier wird deutlich, welche wichtige soziale Funktion der Sport erfüllt“, betonte Alexander Otto, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung „Lebendige Stadt“, im Rahmen der Preisverleihung Mitte September in Düsseldorf.

Für den Turnerbund Neckarhausen und sein breit aufgestelltes Netzwerkprojekt hat sich die Jury nach intensiver Prüfung aller Bewerbungen entschieden, weil es dem Sportverein gemeinsam mit vielen Akteuren gelungen sei, so die Begründung, „Flüchtlinge in und über den Verein zu integrieren, diese zu eigenem Engagement zu motivieren und das Thema im Stadtteil positiv zu besetzen.“ Begonnen hat diese Arbeit mit der Organisation eines Fußballspiels mit Flüchtlingen anlässlich des jährlichen Vereinssportfestes. Inzwischen ist daraus ein Fest der Begegnung geworden und der Verein kooperiert mit Flüchtlingsinitiativen der Nachbarorte.

Überzeugt hat die Jury zudem auch der innovative Schritt der Vereins, für die Integrationsarbeit eine Stelle für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu schaffen, womit der TB Neckarhausen Pionierarbeit in Baden-Württemberg geleistet habe. Die Stelle wurde mit dem syrischen Flüchtling Firas Abu Khraish besetzt, der durch seine im Verein und in Seminaren erlernten Fähigkeiten eine Schnittstelle zu Kindergärten und Schulen bildet. Mittlerweile gestaltet Abu Khraish verschiedene Sportangebote in Kindergärten und leitet Fußball AGs an Realschulen. Im Rahmen seiner Sozialarbeit kümmert er sich auch um Flüchtlingskinder der Deutschvorbereitungsklassen. Er sei ein wichtiger Unterstützer der Integrationsarbeit, so die Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth, die vor 300 Gästen die Laudatio auf den TB Neckarhausen und seine vorbildliche Integrationsarbeit gehalten hatte.

Mit einer Anerkennung bedacht wurde zudem die Duale Hochschule Baden-Württemberg am Standort Stuttgart für das Projekt „Cricket lernen von Flüchtlingen“. Dabei hat die Hochschule zusammen mit dem Zentrum für Interkulturelle Kompetenz und Sprachen ein Sportangebot geschaffen, bei dem vier unbegleitete junge Flüchtlinge bis zu 20 Studierenden Cricket vermitteln. Im Gegenzug lernen die Flüchtlinge spielerisch die deutsche Sprache und knüpfen Kontakte. Unterstützt wird das Projekt vom Jugendamt der Stadt Stuttgart, das zusammen mit der DHBW  Workshops veranstaltet, wie man Flüchtlinge zielgerichtet anspricht. In Ländern wie Indien, Pakistan und Südafrika ist Cricket Nationalsport und auf der Beliebtheitsskala vergleichbar mit Fußball in Deutschland. Nach Überzeugung der Jury hat die DHBW einen besonderen Weg gefunden, junge unbegleitete Flüchtlinge zu integrieren. Alle Teilnehmer würden sich auf Augenhöhe begegnen. Die Studierenden profitieren von den Fähigkeiten und Kenntnissen der Flüchtlinge. Den jungen Flüchtlingen wird Verantwortung übertragen und sie erfahren für ihr Können und ihre Vermittlung Anerkennung und Dankbarkeit.

Neben dem Projekt „Cricket lernen von Flüchtlingen“ der DHBW Stuttgart wurden auch Projekte aus den Städten Bensheim, Falkensee, Hamburg, Maxdorf und Nürnberg mit einer Anerkennung ausgezeichnet.

 
 

Fotos: Nürtinger Zeitung/Holzwarth (1), Aurelius Maier (2-6), Kalmbach (7)