Sport vereint: Beispielhafte Projekte aus Nordbaden

Foto: Badischer Sportbund

Der Badische Sportbund Nord fördert und betreut als Dachorganisation des organisierten Sports in Nordbaden seit dem Jahr 2016 intensiv die Integration durch Sport im Verbandsgebiet. Viele der 2.400 Mitgliedsvereine und 52 Fachverbände leisten dabei ihren Beitrag, wie fünf beispielhafte Leuchtturmprojekte zeigen. 

Der Badische Sportbund Nord e.V. ist die Dachorganisation des organisierten Sports in Nordbaden und vertritt als solcher die Interessen des Sports in der Gesellschaft. Über 2.400 Mitgliedsvereine und 52 Fachverbände, die mit ihren Strukturen im Zentrum der Gesellschaft stehen, sind dabei sportliche Heimat für mehr als 700.000 Mitglieder. Sport verbindet – davon sind diese Mitglieder und passionierten Sportler schon lange überzeugt. Aber auch abseits von Fußballplätzen und Turnhallen hat der Sport das Potenzial, Brücken zu bauen und verbindend zu wirken. Im Jahr 2016 haben über 60 Vereine dem Badischen Sportbund von ihrer Integrationsarbeit berichtet. Die Verantwortlichen sind allerdings davon überzeugt, dass das soziale Engagement in diesem Bereich weit darüber hinaus reicht. Für all das Engagement stehen fünf beispielhafte Leuchtturmprojekte, die über das Förderprogramm Integration durch Sport des Bundesministeriums des Innern und des Deutschen Olympischen Sportbundes subventioniert wurden von den Beteiligten selbst vorgestellt werden.

Hürden abbauen, Vertrauen aufbauen

Aller Anfang ist schwer, das hat auch der Arbeiter-Turn- und Sportverein Kleinsteinbach (ATSV) bei seinem ersten integrativen Sporttag erfahren. Auch wenn unter den 43 Syrern in der Gemeinschaftsunterkunft 22 Kinder und Jugendliche sind, mussten zunächst Vertrauen auf- und Hürden abgebaut werden. In der Gemeinde im Pfinztal ist man aber davon überzeugt, dass nicht jeder sein eigenes Süppchen kochen muss. Ob Kirchen, Vereine oder private Investoren, in Kleinsteinbach wird Integration gelebt und an einem Strang gezogen, sodass neben sportlichen Events auch für Praktika und Arbeitsplätze Sorge getragen wird. Das regelmäßige Fußballtraining für Bambinis und Erwachsene mit Geflüchteten und Nicht-Geflüchteten ist mittlerweile Alltag beim ATSV Kleinsteinbach. Zahlreiche weitere Events sind im Jahr 2017 geplant und Wolfgang Michelberger heißt stellvertretend für den Verein alle Interessierten willkommen!

Workshops und Wettkämpfe

Im Radsportverein (RSV) Schwalbe Ellmendingen wird die neue Heimat auf zwei Rädern erkundet. 20 gebrauchte Mountainbikes, die von Vereinsmitgliedern gespendet wurden, können von den Neubürgern geliehen und für die gemeinsamen Ausfahrten in Keltern sowie für die Vorbereitung auf sportliche Wettkämpfe genutzt werden. Dabei wird nur nur das Radfahren selbst gelehrt, sondern auch die deutsche Straßenverkehrsordnung sowie im Rahmen von Workshops die Pflege der Räder sowie andere Fachkenntnisse rund ums Rad, um die Kinder und Jugendlichen für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Material zu sensibilisieren. Gleichzeitig bietet das Team der Schwalben um Karl-Heinz Kaiser auch ohne Rad ein breites Sortiment an Veranstaltungen, das zum Miteinander der Kulturen einlädt und den Zusammenhalt im Verein fördert.

Geflüchtete helfen bei der Vereinsarbeit

Durch spielerisches Kräftemessen im Zweikampf wird im Athletiksportverein (ASV) Ladenburg die körperliche Fitness trainiert und Distanz abgebaut. Grenzen erfahren und Fairplay heißt es beim Ringen und Raufen. Herbert Maier hat beim ASV bereits langjährige Erfahrung mit jungen Sportlern mit Migrationshintergrund gesammelt und auch neu angekommene Geflüchtete können bereits sportliche Erfolge verzeichnen. Ein Trainer mit iranischen Wurzeln hilft außerdem über sprachliche Hindernisse hinweg und schafft als Mittler Brücken zwischen den unterschiedlichen Kulturen. Über den Sport hinaus werden die Neuankömmlinge in die Vereinsarbeit aufgenommen und unterstützen regelmäßig Veranstaltungen des Vereins. Der ASV möchte sein integratives Engagement auch zukünftig aufrechterhalten und sogar noch weiter ausbauen.

Zuwachs an Spielern und Teams

In Pforzheim leistet der FSV Buckenberg 1921 vorbildliche Integrationsarbeit im Fußballsport. In nur zwei Jahren wurden 72 Iraker in den Spielbetrieb eingebunden. Dank der geflüchteten Kinder und Jugendlichen konnte der Verein innerhalb einer Saison um zwei Mannschaften erweitert werden. Außer in den Trainingsbetrieb sind die Jugendlichen auch in die Jugendarbeit im Stadtteil Buckenberg-Haidach eingebunden und nehmen an Aktionen wie „Sport vor Mitternacht“ teil. Da der Verein gleichzeitig als Mitglied an einem Runden Tisch zur Flüchtlingsarbeit vertreten wird, ist der Sport eingebettet in unterschiedliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, etwa der Suche nach einem Praktikum oder  einer Ausbildung. Einen vollen Erfolg kann der FSV beim Uwe-Hück-Cup verzeichnen. Sechs Mannschaften aus dem Kreis der Geflüchteten sowie eine inklusive Mannschaft nahmen am Fußballturnier teil, berichten die FSV-Vorstände Edmund Mörgenthaler und Waldemar Meser stolz.

Beim Fairplay werden Werte vermittelt

Im Rahmen des Flüchtlingsprojekts „together Karlsruhe“ übernimmt die Sportkreisjugend Karlsruhe aus fünf Kernbereichen das Handlungsfeld Integration durch Sport. Begonnen hat die Sportkreisjugend mit einem regelmäßig stattfindenden Ballsportangebot für unbegleitete minderjährige Geflüchtete, bei dem während des gemeinsamen Sports durch einen fairen Umgang Werte vermittelt werden. Die Erfahrungen und das Wissen aus diesem Projekt fließen nun in eine umfassende Arbeit mit jugendlichen Flüchtlingen und Migranten ein. Das Handlungsfeld Sport, das in der Zuständigkeit der Sportkreisjugend und unter Leitung der Vorsitzenden Isabella Schütz liegt, setzt dabei auf das bestehende Netzwerk und das große Potential im und um den organisierten Sport.

Das Engagement dieser fünf Organisationen ist nur ein Ausschnitt aus einer großen Anzahl von Sportvereinen in Nordbaden, die sich für eine vielfältige Sportlandschaft einsetzen. Doch bereits dieses kleine Spektrum zeigt, welche Chancen der Sport über seine Strukturen hinaus für eine gelingende Integration in die Gesellschaft bietet. Denn neben sportlich-fairen Umgangsformen findet ein Austausch der Wertvorstellungen statt, muss und kann Verständigung mit wenigen Worten gelingen, werden Kontakte geknüpft und vermittelt. Mit Deutschnachhilfe und Unterstützung bei außersportlichen Herausforderungen geht das freiwillige Engagement der Vereine und seiner Partner oft über das hinaus, was im allgemein verbreiteten Verständnis von einem Sportverein erwartet wird.