Raumwunder als Rückzugsort für Flüchtlinge

Eine Plieninger Künstlerin hat in einem Abrisshaus das Kulturprojekt „Raumwunder“ initiiert und dabei auch einen gerne genutzten Rückzugsort für Flüchtlinge geschaffen. Jeden Monat wird zu einer Veranstaltung in das Haus geladen, das von Menschen mit und ohne Fluchterfahrung renoviert und eingerichtet wurde.

Es ist beeindruckend, was in kürzester Zeit aus einer leer stehenden Wohnung an der Karlshofstraße im Stuttgarter Stadtteil Plieningen gemacht wurde ist. Ein wahres „Raumwunder“, gemeinsam geschaffen von vielen Menschen, die Wände bemalt, Regale angebracht und Möbel organisiert haben. „Wir hatten uns zeitlich sehr unter Druck gesetzt“, sagt Projektleiterin Martina Geiger-Gerlach. Die Plieninger Konzeptkünstlerin setzt sich in ihren Installationen und Videos mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander. Nachdem sie von dem geplanten Abriss des Hauses in der Karlshofstraße erfahren hatte, entwickelte sie die Idee, aus  dem leer stehenden Wohnraum im Erdgeschoss eine „Soziale Plastik“ zu machen. Das Siedlungswerk Stuttgart als Eigentümer der Immobilie fand das Konzept spannend und ermöglichte die Realisierung.

Die Idee der Künstlerin ist, das „Raumwunder“ einerseits mit Ausstellungen, Konzerten und anderen kulturellen Veranstaltungen im Wechsel zu bespielen. So waren bei der Eröffnung im Juli Bilder der Fotografin Daniela Wolf zu sehen, die  Mitglied beim Kunstverein Kultur am Kelterberg in Vaihingen ist. Dazu spielte der Iraner Saeed Karimi Gitarre. Gleichzeitig soll die neu renovierte Wohnung ein Rückzugsort für Flüchtlinge sein, die sich so für eine bestimmte Zeit der Enge ihrer Gemeinschaftsunterkunft entziehen und hier zur Ruhe kommen können, so Martina Geiger-Gerlach, die das Projekt leitet und die Ausstellungen kuratiert. Während der Belegzeiten ist die Ausstellung nur für die temporären Bewohner und ihre persönlichen Gäste zugänglich. Zwischen dem Ein- und Auszug der wechselnden Bewohner wird zu öffentlichen Ausstellungseröffnungen, Konzerten, Kochabenden oder Lesungen geladen.

Zum Erfolg des Projekts haben dabei viele Helfer beigetragen, vom Freundeskreis Flüchtlinge Plieningen-Birkach über den Bürgerverein Plieningen bis zu den Bewohnern des Flüchtlingswohnheims Im Wolfer, die tatkräftig bei der Renovierung der Räume geholfen haben. Dazu hat sich auch die Stadtverwaltung eingebracht: Das Liegenschaftsamt der Landeshauptstadt konnte die Wohnung für ein Jahr kostenfrei mieten, das Sozialamt übernimmt die Stromkosten. Die Farbe für die Wände hat ein ortsansässiger Maler gestiftet, die Möbel und Teppiche stammen aus den Wohnungen und Kellern zahlreicher ehrenamtlicher Helfer.

Foto: Freundeskreis Flüchtlinge Plieningen-Birkach
Foto: Freundeskreis Flüchtlinge Plieningen-Birkach
Foto: Freundeskreis Flüchtlinge Plieningen-Birkach
Foto: Freundeskreis Flüchtlinge Plieningen-Birkach