Syrischer Bademeister leistet Integrationsarbeit

Die Stadtwerke Tübingen beschäftigen in ihrem Freibad einen Bademeister aus Syrien, der für Sicherheit sorgt, für andere Flüchtlinge dolmetscht und ihnen vermittelt, welche Regeln hier gelten. Oberbürgermeister Boris Palmer spricht von einer großartigen Präventions- und Integrationsmaßnahme, die als gutes Beispiel für andere Kommunen und Städte dienen kann.

Bereits Anfang Juli haben die Tübinger Stadtwerke auf Facebook Porträts der neuen Bademeister für die Sommersaison veröffentlicht, darunter auch das Foto von Aiham Shalghin. Der 24-Jährige kommt aus Syrien, ist Wasserballspieler, hat Jura studiert und nebenher als Schwimmlehrer und Bademeister in den Frei- und Hallenbädern von Damaskus gearbeitet. Außerdem hat er eine Ausbildung als Rettungsschwimmer. Mit diesem Profil ist der Syrer bestens geeignet für den Job als Badeaufsicht und „kommt wie gerufen“, wie der Betreiber des Freibads schreibt.

Seither wacht Aiham Shalghin nicht nur über die Badegäste, sondern dolmetscht immer wieder auch für andere Flüchtlinge aus arabischen Ländern, die das Freibad besuchen. Außerdem erklärt er ihnen bei Bedarf, welche Regeln hier gelten. Nicht nur die Stadtwerke Tübingen schätzen zwischenzeitlich die wertvolle Integrationsarbeit, die der syrische Bademeister hier leistet. „Dass die Stadtwerke Tübingen einen Bademeister aus Syrien beschäftigen, ist eine großartige Präventions- und Integrationsmaßnahme“, betont auch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer: „Aiham Shalghin sorgt für Sicherheit, dolmetscht für andere Flüchtlinge und vermittelt den Badegästen, welche Regeln in unserem Freibad gelten. Integration findet überall statt, auch im Schwimmbecken und auf der Liegewiese.“

Die Idee, Bademeister zu werden, war Aiham Shalghin nach einem Treffen der Industrie- und Handelskammer gekommen, die Flüchtlinge und Unternehmen zusammenbrachte. Danach bewarb er sich direkt bei den Stadtwerken Tübingen, die ihn nicht nur aufgrund seiner sehr guten Deutschkenntnisse im Frühjahr engagierten. Wertvoll sind vor allem auch seine kulturellen Kenntnisse über die Gepflogenheiten und Traditionen in seinem Heimatland. Die Vorfälle in anderen deutschen Städten führt er darauf zurück, dass viele männliche Flüchtlinge noch nie mit Frauen geschwommen seien, wie er dem Schwäbischen Tagblatt erzählt hat. In großen Teilen Syriens gebe es nur getrennte Bäder, lediglich Damaskus sei so fortschrittlich, dass es dort gemischte Badeanstalten gibt. Er selbst ist seinen Erzählungen zufolge über abenteuerliche Wege nach Deutschland geflüchtet. In der syrischen Hauptstadt habe er in großer Ungewissheit gelebt. „Wir wussten nicht, wann der Krieg nach Damaskus kommt und hatten keine Zukunft mehr.“ Nun will er sich in Tübingen eine neue Existenz aufbauen. Inzwischen hat er eine Aufenthaltserlaubnis über drei Jahre und eine Arbeitserlaubnis, was ihm ermöglicht, auch im nächsten Sommer wertvolle Integrationsarbeit als Bademeister zu leisten. Allerdings hat Aiham Shalghin noch weitere Zukunftspläne: er will sein Studium der Rechtswissenschaften beenden.