So einfach: WLAN für Flüchtlingsunterkünfte

(Stuttgart) Wenn es darum geht, sich über die Lage im Heimatland zu informieren oder mit dort verbliebenen Familienmitgliedern Kontakt zu halten, ist das Internet für Flüchtlinge von unschätzbarem Wert. Doch in vielen Landeserstaufnahmeeinrichtungen und Wohnheimen gibt es bislang keinen kostenlosen Internetzugang, sodass Flüchtlinge viel Geld für entsprechende Smartphone-Verträge oder Prepaid-Karten ausgeben müssen. Die bundesweite Initiative Freifunk hat eine Lösung für das Problem.

Grund für die Zurückhaltung der Verantwortlichen in vielen Kommunen beim Thema WLAN für Flüchtlingsunterkünfte ist die sogenannte Störerhaftung. Sie besagt, dass die Inhaberin oder der Inhaber eines Internetzugangs dafür haftet, wenn andere über diesen Anschluss eine Rechtsverletzung begehen. Die Betreiber von Flüchtlingsunterkünften fürchten also, dass sie zur Kasse gebeten oder anderweitig rechtlich belangt werden, falls Flüchtlinge zum Beispiel illegale Inhalte aus dem Internet herunterladen würden.

Voraussetzung: Internetanschluss und Router

Doch dass es offensichtlich auch anders geht zeigt unter anderem der Verein Freifunk Stuttgart: Seine Mitglieder haben schon in etlichen Flüchtlingsunterkünften in und um die Landeshauptstadt für frei zugängliches WLAN gesorgt. Die einzigen Bedingungen dafür: Es muss ein Internetanschluss zur Verfügung stehen und es muss – je nach Größe der Unterkunft – mindestens ein Router gekauft werden, der etwa 30 Euro kostet. Die Konfiguration machen dann die Freifunker aus Stuttgart, zum Beispiel Christoph Altrock, der am Beruflichen Schulzentrum Leonberg BWL und Informatik unterrichtet. Für ihn ist die Sache sonnenklar: „Wir verbinden den privaten Router mit einem Freifunk-Router, der wiederum einen VPN-Tunnel, also eine verschlüsselte Verbindung, zum Freifunk-Gateway aufbaut. Von dort geht es wiederum per VPN ins Internet. Dieser VPN-Anbieter fungiert wie jeder andere Internetanbieter auch und kann für eine eventuelle Urheberrechtsverletzung seiner Kunden nicht haftbar gemacht werden.“ Diese kleine technische Datenumleitung über Freifunk-Router und Freifunk-Gateway sorgt also dafür, dass der Freifunk-Betreiber vor Ort nicht haftet.

Kostenloses WLAN ohne Werbung und Datenspeicherung


Die Vorteile von Freifunk: Das WLAN kostet die Nutzerinnen und Nutzer nichts, es werden keine Verbindungsdaten gespeichert und es wird keine Werbung eingespielt. Zudem ist die Nutzung zeit- und volumenunabhängig. Die erste Flüchtlingsunterkunft, der Freifunk Stuttgart im März 2015 zu WLAN verholfen hat, war in Gomadingen. In den folgenden Monaten kamen weitere in Stuttgart, Fellbach und im Landkreis Ludwigsburg dazu. Bevor man mithilfe von Freifunk WLAN installiert, muss man die Heimleitung um Erlaubnis fragen. Bisher hat oft der örtliche Flüchtlingsarbeitskreis den Internetanschluss und Router finanziert oder es hat sich jemand aus der Nachbarschaft gefunden, der einen Teil seiner Internet-Bandbreite zur Verfügung gestellt hat – auch das ist eine Möglichkeit. Die Flüchtlinge haben sich über das kostenlose WLAN in ihrer Unterkunft sehr gefreut.

Generell macht sich Freifunk Stuttgart für ein freies WLAN in der Region stark. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach ihrer Hilfe für Flüchtlinge. Die Landesregierung hat zugesagt, künftig WLAN flächendeckend in den Landeserstaufnahmeeinrichtungen zur Verfügung zu stellen. (cg)

Foto: Reinhard Otter