Alleinreisende junge Geflüchtete im Land

So viele alleinreisende junge Flüchtlinge wie nie zuvor sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen. Laut Statistischem Bundesamt haben die Jugendämter 2015 rund 42.300 Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern ins Land kamen, in ihre Obhut genommen. Die Statistik wird seit 1995 geführt, das vergangene Jahr markiert den bisherigen Höchststand.

Die Zahl an jungen Flüchtlingen, die ohne Begleitung ihre Heimat verlassen haben und nach Deutschland gekommen sind, ist im vergangenen Jahr auf den bisherigen Höchststand gestiegen. Insgesamt nahmen die Jugendämter nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden 2015 rund 42 300 allein reisende Kinder und Jugendliche in ihre Obhut. Demnach hat sich ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr fast vervierfacht. 2015 kamen 30.700 Minderjährige oder 263 Prozent mehr als 2014. 91 Prozent der allein reisenden jungen Migranten waren männlich. Dagegen reisten nur etwa 3600 Mädchen unbegleitet ein.

Insgesamt nahmen die Jugendämter 2015 gut 77.600 Kinder und Jugendliche in Obhut. In Summe waren das nur 62 Prozent mehr als im Vorjahr. Andere Gründe als eine unbegleitete Einreise sind zum Beispiel überforderte Eltern, Probleme bei Schule oder Ausbildung oder Drogensucht. Die Zahl dieser Fälle ging um drei Prozent zurück, wie das Amt berichtete. Die Statistik wird seit 1995 geführt. Seither markiert das Jahr 2015 „den absoluten Höchststand“. Die Zeitreihe zeigt: Vor fünf Jahren lag die Zahl der Inobhutnahmen insgesamt niedriger als aktuell die Zahl der Flüchtlingsfälle. Von den 36.300 Inobhutnahmen des Jahres 2010 waren nur 2800 unbegleitet eingereiste Jugendliche. Aus Sicht der Statistikbehörde deckt sich die Zahl der Einreisen unbegleiteter Jugendlicher mit der Zahl der Inobhutnahmen. Der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge hingegen glaubt, dass die Zahlen in Wahrheit niedriger sind. Viele seien mehrfach registriert worden. Zudem nehme die Zahl der Neueinreisen Unbegleiteter seit November 2015 deutlich ab.