Ein Appell zur Rückkehr in die Heimat

Der ehemalige Präsident Afghanistans, Hamid Karsai, hat bei einem Deutschlandbesuch an die Flüchtlinge aus seinem Land appelliert. Er bittet vor allem die jungen Menschen, in ihre Heimat zurückzukehren. Der Exodus müsse ein Ende haben, so Karsai, der die deutsche Asylpolitik gleichzeitig als beispielhaft und richtig lobte.

Der ehemalige afghanische Präsident Hamid Karsai hat die afghanischen Flüchtlinge in Deutschland zur Rückkehr in ihre Heimat aufgerufen. Der Exodus müsse ein Ende haben, so Karsai bei einem Besuch in der Bundesrepublik Mitte September. „Uns fehlen gut ausgebildete junge Menschen, wir brauchen sie dringend. Mein Appell an meine jungen Landsleute ist deshalb: Geht nicht! Ich weiß, dass wir schwere Zeiten durchmachen, aber die haben andere Länder auch überwunden.“ Er habe in Deutschland auch selbst mit Flüchtlingen gesprochen und sie gebeten, wieder zurückzukehren.

Gleichzeitig verteidigte Karsai die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Sie hat genau das Richtige getan“, sagte er. „Ich weiß, dass sie zurzeit unter starkem Druck steht, aber schauen Sie sich an, was sie international für Deutschland getan hat - besonders in solchen Teilen der Welt, wo es wirklich darauf ankommt, ob man einen guten Ruf hat.“ Er sei fest davon überzeugt, dass jetzt noch viel mehr Menschen als vorher deutsche Produkte kaufen würden, weil sie das Land noch mehr schätzten. So werde sich die Aufnahme der Flüchtlinge langfristig auszahlen und Deutschland „viel mehr Wohlstand“ bringen. „Kanzlerin Merkel hat eine gute Botschaft in die Welt gesandt“, sagte Karsai, „nämlich die, dass Deutschland Probleme erkennt und die Möglichkeiten und Ressourcen besitzt, darauf zu reagieren, und zwar nicht mit Ablehnung, sondern mit Großzügigkeit. Das hat nicht nur in Afghanistan, sondern in der ganzen Welt einen unglaublichen Eindruck hinterlassen.“

Karsai verwies auf eine Umfrage, wonach die afghanische Bevölkerung Deutschland als besten Freund des Landes im Westen betrachte. Deutschland habe Afghanistan auf vielen Feldern enorm geholfen. Auch die Bundeswehr sei stets vorbildlich aufgetreten. „Wenn es irgendwo (zivile) Opfer gab, dann haben sie das sofort zugegeben und sich um die Betroffenen gekümmert.“ Es sei aber auch im deutschen Interesse, Afghanistan weiter beizustehen: Je besser es dem Land gehe, desto weniger Menschen hätten einen Grund, wegzugehen. Auch die Sicherheitslage im Land habe Auswirkungen auf Deutschland. (dpa/hef)