Forscher fordern: Traumatisierten Flüchtlingen schnell helfen

Traumatisierte Flüchtlinge brauchen nach Ansicht von Experten schnell seelische Hilfe, wenn sie erfolgreich integriert werden sollen. Die Wissenschaftler fordern eine akute Krisenintervention in den Erstaufnahmeeinrichtungen.

Auf einer Tagung zum Thema „Migration, Flucht und Trauma“ haben sich in Frankfurt rund 300 Wissenschaftler aus aller Welt über vorbildliche Projekte im Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen in verschiedenen Ländern ausgetauscht. „Viele Studien zeigen, wie wichtig es ist, traumatisierten Menschen möglichst zeitnah und niederschwellig Hilfen anzubieten, um Langzeitfolgen für sie und die nachkommenden Generationen zu mildern“, betonte Marianne Leuzinger-Bohleber, Geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts.

Es gehe nicht darum, die Menschen „auf die Couch zu legen“, sondern um akute Krisenintervention in den Erstaufnahmeeinrichtungen. „Traumatisierungen sind Erfahrungen, in denen Menschen extremen Gefühlen von Verzweiflung, Ohnmacht und Hilflosigkeit ausgesetzt sind“, erklärte sie. Das Urvertrauen breche zusammen, die Betroffenen könnten sich auf nichts mehr verlassen, weder auf andere noch auf sich selbst, so Marianne Leuzinger-Bohleber: „Daher reagieren Traumatisierte auf erneute Erfahrungen von Passivität und Ohnmacht in den Aufnahmeeinrichtungen besonders verletzlich.“

Kontakt
Sigmund-Freud-Institut
Myliusstraße 20
60323 Frankfurt am Main
Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber
E-Mail leuzinger-bohleber@sigmund-freud-institut.de