Immer mehr Menschen wollen helfen

Eine neue Studie des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung zeigt, dass sich immer mehr Menschen in der Flüchtlingshilfe engagieren wollen. Zudem wurde erstmals untersucht, was die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer antreibt.

Bestmögliche Unterstützung für Ehrenamtliche

Das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe hat eine lange Tradition in Deutschland, wissenschaftlich erforscht worden ist diese wichtige Freiwilligenarbeit bisher aber kaum noch. Nun hat das Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) erstmals eine Studie zu diesem Thema vorgelegt, an der sich bundesweit mehr als 460 Ehrenamtliche sowie knapp 80 Hilfsorganisationen beteiligt haben. Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung lautet: Immer mehr Bürgerinnen und Bürger werden derzeit “aus einer Notwendigkeit heraus“ aktiv, weil sie spontan Menschen helfen wollen, die alles verloren haben.

Untersucht werden soll mit der aktuellen Studie insbesondere, was Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit leisten und was sie dabei antreibt. So haben etwa drei Viertel der Befragten angegeben, dass sie mit ihrem Engagement nicht nur die humanitäre Situation der Flüchtlinge verbessern, sondern gleichzeitig auch die Gesellschaft mitgestalten wollen. In vielen Fällen ist dieses Engagement zudem spontan und selbst organisiert: Knapp 40 Prozent der Helfenden setzen sich jenseits bestehender Strukturen ehrenamtlich für Flüchtlinge ein. Ein Wert, der weit über dem Durchschnitt des allgemeinen freiwilligen Engagements liegt.

Gleichzeitig zeigt die Studie auch, dass die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit von einem ungewöhnlich heterogenen Teil der Gesellschaft getragen wird, wenngleich dabei einige „Gruppen“ überrepräsentiert sind. So stellen insbesondere weibliche Studien-Teilnehmer mit knapp 70 Prozent einen „überraschend hohen Anteil“, schreiben die Autoren der Studie, Serhat Karakayali von der Berliner Humboldt-Universität und Olaf Kleist von der University of Oxford. Gemessen am Anteil in der Gesamtbevölkerung engagieren sich zudem auch auffallend viele Studenten in der Flüchtlingshilfe. Fast 90 Prozent der Ehrenamtlichen haben laut Studie hohe Bildungsabschlüsse. Etwa ein Drittel der Befragten hat angegeben, selbst einen Migrationshintergrund zu haben.  

Zwar sind die Ergebnisse der Studie nicht repräsentativ, dennoch lassen sich daran viele Entwicklungen ablesen. So hat die überwiegende Mehrheit der befragten Organisationen angegeben, dass sich in den letzten Jahren durchschnittlich 70 Prozent mehr Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe engagieren - ein beachtlicher Anstieg, der eine Antwort ist auf die derzeitige Situation in Ländern wie Syrien, Nigeria oder dem Irak. Konkret helfen die meisten Ehrenamtlichen laut Studie bei Behördengängen und sprachlichen Problemen. Rund ein Viertel der Befragten engagiert sich in der Sozial- und Integrationsberatung oder hilft bei der Wohnungssuche. Ein wichtiges Betätigungsfeld ist zudem die Organisation der ehrenamtlichen Arbeit selbst.

Die Wissenschaftler kritisieren in ihrer Studie, dass die organisatorischen Hürden für die Ehrenamtlichen vieler Orts noch relativ hoch seien. Ihre Empfehlung, große Organisationen wie Kirchen, Wohlfahrtsverbände und Vereine zu vernetzen und die Ehrenamtlichen mit vorhandenen Strukturen und Wissen zu unterstützen. Das  wird in Baden-Württemberg bereits umgesetzt: In Form von Bürgerforen zum Austausch, mit einem Handbuch als Begleiter durch den ehrenamtlichen Alltag, das im Juli 2015 erscheint, einer Website und einem monatlichen Newsletter mit als zentraler Informationsplattform, mit konkreten Projektbeispielen sowie Links und  Kontaktadressen für die in der Flüchtlingsarbeit in Baden-Württemberg aktivenEhrenamtlichen. „Es ist wichtig, die Ehrenamtlichen bei ihrer verantwortungsvollen und engagierten Arbeit bestmöglich zu unterstützen“, betont Gisela Erler, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung: „Nur so können wir im Land die viel zitierte Willkommensgesellschaft etablieren.“ (mh)

Weitere Infos:
http://www.bim.hu-berlin.de/

Material:
Studie_Fluechtlingsarbeit (PDF-Dokument)

Kontakt:
Humboldt-Universität zu Berlin
Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät
Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung

Sekretariat
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E-Mail: office.bim@hu-berlin.de

Foto: Nürtinger Zeitung/Holzwarth