Ab wann dürfen Flüchtlinge eine geregelte Arbeit aufnehmen?

Asylsuchende mit Aufenthaltsgestattung und Geduldete dürfen die ersten drei Monate nach ihrer Ankunft in Deutschland nicht arbeiten. Danach besteht für sie in der Regel 15 Monate lang ein nachrangiger Arbeitsmarktzugang. Für eine Beschäftigung müssen sie eine Erlaubnis bei der Ausländerbehörde beantragen, die wiederum die Zentrale Auslands-und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit um Zustimmung fragt. Die ZAV prüft im Rahmen der Zustimmung die Beschäftigungsbedingungen und führt eine Vorrangprüfung durch. Das heißt, für die konkrete Arbeitsstelle dürfen keine bevorrechtigten deutschen Arbeitnehmer, EU-Bürger oder entsprechend rechtlich gleichgestellte Ausländer zur Verfügung stehen. Nach vier Jahren entfällt die Erfordernis der Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit.

Anerkannte Flüchtlinge oder Asylsuchende dürfen ebenfalls ohne vorherige Zustimmungserfordernis arbeiten.

Beispiele für Ausnahmen, in denen vor Ablauf der vier Jahre keine Zustimmung erforderlich ist:

  • bei der Aufnahme einer beruflichen Ausbildung in einem staatlich anerkannten oder vergleichbar geregelten Ausbildungsberuf
  • Freiwilliges Soziales Jahr/Bundesfreiwilligendienst
  • Praktika im Rahmen einer (Hoch-)Schulausbildung

 

Beispiele für Ausnahmen, in denen keine Vorrangprüfung erforderlich ist:

  • ausländischer Hochschulabschluss in einem Mangelberuf (zum Beispiel Naturwissenschaften)
  • inländischer, qualifizierter Ausbildungsabschluss und eine entsprechende Beschäftigung


Nach drei Monaten in Deutschland können sich Asylsuchende bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden und deren Förderangebote nutzen. Die Arbeitsagentur übernimmt die Kosten für:

  • Bewerbungen (Bewerbungsmappen, Beglaubigungen, Fotos, Gesundheitszeugnis, Übersetzung von Zeugnissen)
  • Fahrten zu Vorstellungsgesprächen
  • die Anerkennung im Ausland erworbener Abschlüsse
  • berufliche Weiterbildung


Weitere Informationen: Flüchtlingsrat Baden-Württemberg, www.bleibinbw.de, Rubrik rechts: Materialien zum Bestellen

 

Ausbildung/Beruf/Studium

Man unterscheidet zwischen nicht reglementierten (Studien-)Berufen und reglementierten (Studien-)Berufen.

  • Für reglementierte (Studien-)Berufe wie beispielsweise Krankenschwester, Arzt oder Rechtsanwalt muss ein offizielles Anerkennungsverfahren durchlaufen werden, da das Führen einer Berufsbezeichnung an bestimmte Verwaltungsvorschriften gebunden ist.
  • Für nicht reglementierte Berufe wird in Deutschland kein berufsspezifisches Anerkennungsverfahren durchgeführt. Somit kann man sich um entsprechende Stellen mit dem ausländischen Abschluss bewerben.


Auf der Internetseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erhält man relevante Informationen zur Anerkennung und zum Verfahren.


Weitere Informationen: www.anerkennung-in-deutschland.de, Rubrik Anerkennungs-Finder

Beachten: Befindet sich der Flüchtling, Asylsuchende oder Geduldete in einer Ausbildung, darf er meist auch bei negativem Bescheid seines Asylantrages in Deutschland bleiben, um seine Ausbildung zu beenden.