Interkulturell denken - lokal handeln

Die Aktion Jugendschutz hat ein berufsbegleitendes Weiterbildungsangebot geschaffen, um pädagogischen Fachkräften und Ehrenamtlichen interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln. In den Seminaren erarbeiten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Grundbegriffe und Handlungskonzepte, entwickeln Praxisprojekte sowie ein gemeinsames Verständnis von Migrationspädagogik.

Die Aktion Jugendschutz (ajs) bietet schon seit vielen Jahren in Kooperation mit weiteren Einrichtungen aus Baden-Württemberg das Weiterbildungsprogramm „Pädagogisches Handeln in der Einwanderungsgesellschaft“ an. Dabei geht es insbesondere um die erzieherisch angemessene Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergund sowie deren Eltern in den verschiedenen pädagogischen Handlungsfeldern. Wie die Weiterbildung angelegt ist und was sie wichtig macht, erklärt der Referent für Gewaltprävention und Migrationspädagogik, Lothar Wegner, mit eigenen Worten so:

Interkulturelle Öffnung als zentraler Ansatzpunkt

Interkulturelle Kompetenz ist in Gesellschaften wie der unseren unverzichtbar. Durch den Zuzug von Geflüchteten hat diese Notwendigkeit eine neue Dimension erfahren. Auch die pädagogische Arbeit kann nur gelingen, wenn die Tatsache und die Effekte von Migration anerkannt werden. Zudem ist die interkulturelle Öffnung eines Gemeinwesens ein zentraler Ansatzpunkt für jede Kommune, die sich der Herausforderung der multikulturellen Realität der Einwanderungsgesellschaft stellen will. Diese Aufgabe kann nur in enger Zusammenarbeit verschiedener Akteure gelingen.

Mit unserem Angebot haben wir pädagogische Fachkräfte in Buchen, Pforzheim, Bad Urach, Mannheim und Tübingen für diese Arbeit qualifiziert. Dabei sind drei Aspekte wesentlich: die Qualifizierung von Fachkräften, die Entwicklung von Netzwerken vor Ort und die interkulturelle Öffnung der beteiligten Einrichtungen.

Gemeinsames Verständnis von Migrationspädagogik

Dieser Weiterbildung liegt die Idee eines lernenden Netzwerks zugrunde: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Gruppengröße 14 bis 20 Personen) erarbeiten sich in fünf bis sechs Seminar-Bausteinen Grundbegriffe und Handlungskonzepte, entwickeln Praxisprojekte sowie ein gemeinsames Verständnis von Migrationspädagogik. Unter Anleitung von zwei Fachkräften der ajs und mit der Unterstützung von Expertinnen und Experten arbeitet die Gruppe etwa neun Monate zusammen. Werden alle Voraussetzungen erfüllt, wird die Weiterbildung mit einem Zertifikat bescheinigt. Wir arbeiten auf der Grundlage einer diskriminierungssensiblen Haltung. Eine Einführung in die Migrationspädagogik zu Beginn und die abschließende Präsentation der Praxisprojekte samt Ergebnisreflexion bilden den Rahmen. Die Auswahl der dazwischen zu bearbeitenden Themen orientiert sich daran, was die Ausbildungsgruppe als dringend erachtet. Im ersten Baustein wird das Gesamtprogramm abgestimmt, um ein Optimum an Nachhaltigkeit zu erzielen. Bisher angefragt waren die Inhalte:

•    multiperspektivischer Blick auf Migrationserfahrungen
•    Rassismuserfahrungen von Jugendlichen und Empowerment-Ansätze
•    Radikalisierungstendenzen bei Jugendlichen
•    Zusammenarbeit mit Eltern
•    Besonderheiten in der Arbeit mit Geflüchteten
•    interkulturelle Öffnung von Einrichtungen

Ab Mitte der Weiterbildung erarbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Teilgruppen ein Praxisprojekt nach eigener Wahl. Hinzu kommt ein Fachtag für die Leitungskräfte der beteiligten Einrichtungen.

Lothar Wegner, Stellvertretender Geschäftsführer Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg sowie Referent für Gewaltprävention und Migrationspädagogik