Zusammen aktiv im GemeinsamGarten

(Konstanz) „Miteinander ackern – gemeinsam genießen“ ist das Motto, unter dem Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Flüchtlingen einen Garten in Konstanz betreiben. Dadurch ermöglichen sie einen kulturellen Austausch auf Augenhöhe und leisten einen Beitrag zu einer gelebten Willkommenskultur in Deutschland.

Anfang März 2015 war der GemeinsamGarten nicht mehr als ein Stückchen Wiese im Konstanzer Stadtteil Wollmatingen, das der Verein Miteinander in Konstanz e. V. in Zusammenarbeit mit dem BUND Konstanz zur Verfügung gestellt hatte. Doch dank der fleißigen Hände von vielen Flüchtlingen und Ehrenamtlichen wachsen dort mittlerweile alle Arten von Gemüse und Kräutern, die regelmäßig geerntet und auch gemeinsam verkostet werden. Die Klasse „Vorqualifikation Arbeit und Beruf – ohne Sprachkenntnisse“ (VAB-O) der Zeppelin-Gewerbeschule, in der Flüchtlinge Deutsch lernen und gleichzeitig ein berufliches Training erhalten, hat sogar eine hölzerne Einfassung für den Kompost gebaut, die die Helferinnen und Helfer im Garten fachgerecht installiert haben, sodass sie jetzt ihren eigenen Öko-Dünger erzeugen können.

Der GemeinsamGarten bringt Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft zusammen und ermöglicht einen ungezwungenen Austausch der Kulturen, der ohne diese gemeinsame Aufgabe nicht so einfach möglich wäre. Das gegenseitige Kennenlernen funktioniert auch über den kulinarischen Aspekt: Zu den regelmäßigen Treffen am dritten Sonntag im Monat bringen die Gärtnerinnen und Gärtner oft Gerichte aus ihrer Heimat mit, die nach getaner Arbeit gemeinsam genossen werden. „Wer ist nicht neugierig, was weltweit auf den Teller kommt? Wir erfahren von den Flüchtlingen, was sie gerne essen und sie lernen unsere Essgewohnheiten kennen. Diese gemeinsamen Erfahrungen bauen Vorurteile ab und zeigen die Gastfreundschaft und Offenheit auf beiden Seiten“, ist Elke Cybulla, Integrationsbeauftragte der Stadt Konstanz, überzeugt.

Sinnvolle Beschäftigung statt Langweile und Frust

Ein weiteres Ziel des GemeinsamGartens ist es, Flüchtlingen eine sinnvolle und langfristige Beschäftigung zu ermöglichen. Viele von ihnen schätzen ein solches Angebot, da sie entweder nicht arbeiten dürfen oder allein schon wegen der fehlenden Sprachkenntnisse Probleme haben, eine bezahlte Tätigkeit zu finden. Im GemeinsamGarten können sie aktiv werden, ihr Leben ein Stück weit wieder selbst in die Hand nehmen und neue Kontakte knüpfen.

Auch der Aspekt der Nachhaltigkeit ist den Gartenfreundinnen und -freunden wichtig. „Sein eigenes Essen zu säen, zu pflegen und zu ernten bringt uns alle wieder näher an die Herkunft unserer Nahrungsmittel und steigert die Wertschätzung derselben“, meint Antonia Merz von der Projektgruppe GemeinsamGarten.

Die Idee zum GemeinsamGarten entstand bei einem Essen unter Freunden, indem man die Themen Nachhaltigkeit und Flüchtlingsarbeit zusammenbringen wollte. Verschiedene Organisationen, Vereine und Unternehmen in Konstanz unterstützen das Gartenprojekt mit Sach- und Zeitspenden, ebenso die Stadt Konstanz und das Büro der Integrationsbeauftragten.

Interessierte sind jederzeit willkommen!  (cg)

Fotos: GemeinsamGarten