Mein Deutschland: Ein Werkzeugkasten für Flüchtlinge

Die Designstudentin Amelie Kim Weinert hat als Abschlussarbeit im Bereich Visuelle Kommunikation an der Hochschule Pforzheim einen Ordner gestaltet, der Flüchtlingen, die weder Deutsch noch Englisch sprechen und vielleicht nicht mal lesen und schreiben können, eine erste Orientierungshilfe in der neuen Heimat zu bieten.

Selten hat eine Abschlussarbeit an der Hochschule Pforzheim solch eine mediale Aufmerksamkeit erregt, wie das Werk von Amelie Kim Weinert. „Mein Deutschland“ hat die 26 Jahre alte Absolventin im Fachbereich Visuelle Kommunikation den Ordner genannt, den sie zu einem Zweck entwickelt und gestaltet hat: um Flüchtlingen, die weder Deutsch noch Englisch sprechen und vielleicht nicht mal lesen und schreiben können, eine erste Orientierungshilfe in der neuen Heimat zu bieten, wie sie sagt.

Austausch auf Augenhöhe

Der Ordner besteht aus sechs Kapiteln, in denen die wichtigsten Punkte beim Kennenlernen thematisiert werden: Woher komme ich? Wie ist Deutschland? Welche Schrift verwenden wir? Was ist in unserer Kultur wichtig? Anhand der visuellen Elemente, die von der Grafikerin und Designerin entwickelt wurden, sollen die Flüchtlinge zusammen mit einem Betreuer den Einstieg in die deutsche Schrift- und Zeichenwelt finden und auf  einen späteren Deutsch- oder Alphabetisierungskurs vorbereitet werden. Wichtig war ihr dabei, „dass ein Austausch auf Augenhöhe möglich ist und die übliche Lehrer- und Schülerrolle vermieden wird“, so die 26-Jährige, die einen neuen Weg gesucht hat und dabei Alltagsfotografien mit illustrierten Gegenstände und eigenen Icons kombiniert.

Zahlreiche Anfragen von Interessierten

Dabei konnte Amelie Kim Weinert auch ihre eigenen Erfahrungen einbringen: Sie betreut in ihrer Heimatstadt Mühlacker seit einiger Zeit als Patin eine afghanische Familie, die nach Deutschland geflüchtet ist. Die Verständigung sei anfangs sehr schwierig gewesen, das hat mich auf die Idee gebracht, erzählt sie. Seit ihre Arbeit öffentlich vorgestellt wurde, wird sie von Anfragen überhäuft. Der Ordner wird im Februar 2016 beim Langenscheidt Verlag erscheinen.