Heimat für viele Flüchtlinge

Foto: Staatsministerium BW

Die ehemalige Klosteranlage der Stiftung „Heimat geben“ in Oggelsbeuren hat sich zu einer weithin bekannten und geschätzten Anlaufstelle für Flüchtlinge aus dem ganzen Landkreis Biberach entwickelt. Knapp 350 Asylbewerber aus ganz unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen haben Pater Alfred und seine ehrenamtlichen Mitstreiter hier in den vergangenen Jahren betreut und begleitet.

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne. Bei allem Bedauern darüber, dass nach knapp dreieinhalb Jahren nun die Zeit als offizielle Gemeinschaftsunterkunft (GU) für Flüchtlinge im Landkreis Biberach abgelaufen ist, freut sich Pater Alfred umso mehr auf das nächste Jahr und die neuen Aufgaben, die auf ihn und sein Team warten. Denn nachdem einige Zeit unklar war, wie es mit der Asylunterkunft der Stiftung „Heimat geben“ in Oggelsbeuren weitergehen wird, haben die Behörden vor kurzem grünes Licht gegeben: Aus dem Gemeinschaftshaus der Stiftung, einer ehemaligen Klosteranlage, wird mit Beginn des neuen Jahres eine „interkommunale Anschlussunterbringung“ für Flüchtlinge. Die Gemeinde Schemmerhofen hat bereits 33 Plätze angemietet. Verträge konnten zudem mit Mittelbiberach, Schwendi und Attenweiler geschlossen werden. „Wir sind alle miteinander sehr froh, dass wir unsere Arbeit hier fortführen können“, betont Pater Alfred.

Kultur des Zusammenlebens

Seit Mai 2014, also einige Zeit vor Beginn der großen Fluchtbewegung und Zuwanderung, betreuen und begleiten Pater Alfred und sein Team aus Ehrenamtlichen in der ehemaligen Klosteranlage bereits Flüchtlinge. Die Asylbewerber aus ganz unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen werden dabei nicht nur einfach untergebracht und versorgt. „Unsere Idee ist, richtig mit ihnen zusammenzuleben und dabei viele unterschiedliche Begegnungsräume zu schaffen“, sagt Pater Alfred, der viele Jahre Pfarrer war und zwischenzeitlich als Flüchtlingsseelsorger der Katholischen Kirche Neuland betritt.

Viele konnten in die eigene Wohnung umziehen

Mehr als 350 Flüchtlinge sind in den vergangenen dreieinhalb Jahren von der Stiftung betreut worden, etwa ein Drittel davon waren Kinder, viele davon aus dem syrischen Bürgerkriegsgebiet. Etwa die Hälfte der Flüchtlinge konnte direkt aus der Gemeinschaftsunterkunft in eine eigene Wohnung umziehen, was eindrucksvoll zeigt, wie gut das Netzwerk funktioniert, das die Stiftung im ganzen Landkreis Biberach aufgebaut hat. „Zu vielen Ehemaligen ist ein guter Kontakt geblieben. Manche kommen immer mal wieder zu Besuch. Manche arbeiten sogar bei uns mit“, erzählt Pater Alfred.

Raum für besonders Schutzbedürftige

Derzeit leben etwa 60 Flüchtlinge in den Wohngruppen und Familienapartments, 75 Plätze stehen in den beiden Flachbauten neben dem Klostergebäude insgesamt zur Verfügung. Im Haupthaus selbst, das einst Kloster war, dann zunächst als Waisenhaus und in den vergangenen 20 Jahren als Suchtklinik für Menschen mit Migrationshintergrund genutzt wurde, wäre noch weiterer Platz für bis zu 25 Menschen. Die Idee von Pater Alfred ist, hier einen Raum für besonders Schutzbedürftige zu schaffen. Die räumlichen und auch fachlichen Möglichkeiten dafür wären ideal. „Wir könnten beispielsweise einen Schwerpunkt für dringend notwendige Traumatherapien schaffen“, sagt Pater Alfred, der derzeit noch auf der Suche nach Kooperationspartnern ist.

Interreligiöser Gebetsladen als Begegnungsraum

Wer ihn kennt weiß, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis auch aus den noch ungenutzen Räumen im Klostergebäude eine Heimat für schutzbedürftige Menschen wird.  Zusammen mit zwei weiteren Patres und rund 30 Ehrenamtlichen, von denen viele direkt aus Oggelsbeuren kommen, hat der Seelsorger in den vergangenen Jahren Stück für Stück eine Anlaufstelle für Flüchtlinge aufgebaut, die im ganzen Landkreis bekannt ist und geschätzt wird. Eine gut sortierte Kleiderkammer gehört dabei genauso zum Angebot wie Billard und Tischfußball in der großen Gemeinschaftsaula, ein Kindergarten, eine Hauskapelle, Sprachkurse und vieles mehr. Etwa 20 Flüchtlinge aus Afghanistan haben direkt gegenüber beim Industriedienstleister IDS Arbeit gefunden. Und mit dem „Come In“ wurde mitten in der Biberacher Fußgängerzone ein eigener interreligiöser Gebetsladen eröffnet, der ein Begegnungsraum für Menschen unterschiedlicher Glaubens- und Religionsrichtungen sein soll, so Pater Alfred: „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem wir über Religionen sprechen können.“ 

(Markus Heffner, Staatsministerium Baden-Württemberg)