„Zuflucht Müllheim“: Ein Verein mit vielen Aufgaben

(Müllheim) Ein einstiger Helferkreis hat sich zum Verein Zuflucht Müllheim zusammengeschlossen und binnen kurzer Zeit eine Vielzahl beispielhafter Projekte auf den Weg gebracht. Mit den „Sportfreunden Hügelheim – Team Afrika“ wurde unter anderem die bisher einzige reine Flüchtlings-Fußballmannschaft im Land gegründet, die an einem Ligabetrieb teilnimmt. Sehr erfolgreich ist der Verein zudem bei der Arbeitsvermittlung. Derzeit arbeiten die engagierten Ehrenamtlichen an einem umfassenden Leitfaden, der helfen soll, den Alltag in Deutschland zu meistern.

Der Chef geht mit gutem Beispiel voran. Weil es insbesondere auch an geeigneten Räumlichkeiten für die tägliche Hilfsarbeit mangelt, hat Samuel Gebert kurzerhand einen Teil seiner Bürofläche zur Verfügung gestellt, die zum Besprechungsraum für die Arbeitsgruppen und Koordinationsteams umfunktioniert wurde. „Wir brauchen einfach einen Ort, an dem wir uns treffen und in Ruhe austauschen können“, sagt Gebert, der Geschäftsführer eines Unternehmens im Dentalbereich ist und seit knapp einem Jahr Vorsitzender des Vereins Zuflucht Müllheim.

Der Verein wurde im August vergangenen Jahres von einigen Ehrenamtlichen gegründet, die sich bis dahin als Helferkreis bei Behördengängen, der Wohnungssuche oder mit Sprachunterricht engagiert hatten. Weil sich schon damals abgezeichnet hatte, dass die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen zur langfristigen Bewährungsprobe wird, habe man sich entschieden, so Gebert, sich eine offizielle Organisationsform zu geben. Als Verein können die Ehrenamtlichen nun nicht nur Spenden annehmen und Quittungen dafür ausstellen, worin Samuel Gebert einen der wichtigsten Vorteile sieht. Auch in anderen Bereichen, etwa bei der Wohnungssuche und Behördengängen, haben die Ehrenamtlichen nun die Rechtsform eines Vereins im Rücken, „was die anspruchsvolle Arbeit mitunter leichter macht“, so Gebert. „Es geht immerhin darum, Menschen eine neue Heimat zu schaffen.“

„Händchenhalten“ wolle man bei aller Hilfe ausdrücklich nicht, betont der Vereinsvorsitzende: „Wir machen hier das Gegenteil“, sagt er. So werden neue Flüchtlinge beispielsweise immer wieder alleine durch das Gewerbegebiet der Kommune mit ihren 19.000 Einwohnern geschickt, um sich die verschiedenen Firmengebäude anzusehen. „Hinterher sollen sie sagen, was die Unternehmen ihrer Meinung nach herstellen“, erzählt Gebert. Im Zweifelsfall dürften die Flüchtlinge aus Gambia, Eritrea oder Albanien auch in die Firmengebäude hinein und sich die Sache aus der Nähe anschauen. Etliche hätten hinterher schon Bewerbungsunterlagen mitgebracht, so Gebert.

Knapp 20 Flüchtlinge haben zwischenzeitlich in Müllheim und Umgebung schon einen Job oder zumindest eine Praktikumsstelle gefunden, in Handwerksbetrieben, der Gastronomie und anderen Bereichen. Für die nächsten 20 Kandidaten sind die Bewerbungsunterlagen bereits geschrieben. „Überall kommt nur Lob zurück und die Arbeitgeber melden sich inzwischen von selbst“, sagt Samuel Gebert. „Ein bekannter Gastronom mit einem großen Betrieb hat gleich drei Flüchtlinge angestellt und empfiehlt seinen Kollegen, das gleiche zu tun.“

Großen Erfolg kann der Verein zudem mit seinem Fußballprojekt vorweisen, den „Sportfreunden Hügelheim – Team Afrika“. Die Mannschaft, in der neben Afrikanern zwischenzeitlich auch Asylbewerber aus anderen Nationen kicken, spielt in der Kreisliga und ist damit die einzige reine Flüchtlingsmannschaft in Baden-Württemberg, die an einem Ligabetrieb teilnimmt. „Das Team hat eine enorme Strahlkraft entwickelt und ist Zugpferd für viele andere Projekte", betont Samuel Gebert.  

Knapp 160 Helfer engagieren sich mittlerweile in dem Verein, das Hilfsangebot wird kontinuierlich ausgebaut. Derzeit arbeiten die Ehrenamtlichen unter dem Titel "Managing your daily life" an einem Leitfaden, der den Flüchtlingen helfen soll, den deutschen Alltag zu meistern. "Wir schauen uns zunächst an, was es schon gibt und ergänzen jene Bereiche, die noch fehlen", sagt Gebert. Obwohl in dem Ort Flüchtlinge aus 15 Nationen leben, funktioniere die Integration und das tägliche Miteinander ausnehmend gut, was vor allem auch an den Flüchtlingen selber liege, erzählt er. Die Menschen, die schon länger da sind, zeigen den Neuankömmlingen, wie und wo man einkauft, sie kochen für sie und schlichten auch mal Streit, wenn es mal welchen gibt. Das "Geheimnis des Erfolgs" sieht der Unternehmer aber auch in der guten und wichtigen Zusammenarbeit mit den Hauptamtlichen, also den zuständigen Ämtern und Behörden. "Wir kennen alle Beteiligten und haben regelmäßigen Kontakt. Und alle kennen unseren Verein und wissen, was wir hier tun."  (mh)

Fotos: Zuflucht Mühlheim eV.