Das Spiel Asylopoly: Fühlen wie ein Flüchtling

(Ettlingen) Um das Asylverfahren einmal aus Sicht der Flüchtlinge zu erleben, hat sich der AK Asyl Ettlingen eine Fachreferentin eingeladen. Emotionale Erfahrungen haben die Ehrenamtlichen dabei mit dem Spiel „Asylopoly“ gemacht, bei dem die Teilnehmer durch verschiedene Fluchtsituationen begleitet werden – von der Grenze über das Bundesamt bis in die Erstaufnahmestelle und die Asylunterkunft.

Ulf Rösler hat keine guten Karten. Sein Schicksal will es, dass er über Bulgarien nach Deutschland eingereist ist, einem vermeintlich sicheren  Drittstaat. Die Rechtsauskunft in fremder Sprache versteht er nicht, einen Anwalt findet er nicht und so landet er in Abschiebehaft, bevor das Spiel überhaupt richtig begonnen hat. Willkommen bei „Asylopoly“, einem Spiel, das unter die Haut geht, wie Rösler sagt.

Wie es ist, in einer fremden Kultur anzukommen

Er ist einer von knapp zehn Ehrenamtlichen des AK Asyl Ettlingen, die sich auf ihre Arbeit mit Flüchtlingen einstimmen und dafür einmal selber zumindest ansatzweise erleben wollen, wie man sich als Asylbewerber fühlt. Zu diesem Zweck hat die Evangelische Landeskirche in Baden das Planspiel „Asylopoly“ entwickelt, das vermitteln soll, wie es Flüchtlingen geht, wie sie leiden, wenn sie in einer fremden Kultur ankommen und dabei alles verloren haben. Jeder Teilnehmer zieht dazu zunächst eine Karte, auf der sein fiktives Schicksal steht. Zum Beispiel dieses: „Da Sie keine Papiere haben werden Sie von der Bundespolizei erfasst. Das heißt, Sie dürfen vorerst nicht nach Deutschland einreisen und müssen erst einmal in der geschlossenen, gefängnisähnlichen Unterkunft bleiben.“

Manche der „Flüchtlinge“ sollen abgeschoben werden, andere dürfen einen Asylantrag stellen.Sie müssen ihre Fingerabdrücke abgeben, in kalten Behördengängen warten, Fotos von sich machen lassen. Und sie werden dabei zumeist in einer fremden Sprache angesprochen, die sie nicht verstehen. So wie es den Flüchtlingen in der Regel auch ergeht. „Es ist sehr beklemmend, weil die Situationen realitätsnah sind. Man fühlt sich mitunter völlig ausgeliefert“, sagt Patrick Jutz vom AK Asyl Ettlingen, der ebenfalls an dieser speziellen Fortbildung teilgenommen und seine Erfahrungen gemacht hat.

Erfahrungen von unschätzbarem Wert

Knapp zwei Stunden dauert eine Runde „Asylopoly“ mit Vor- und Nachgespräch üblicherweise, wobei das Spiel beim AK Asyl Etttlingen als emotionaler Auftakt einer Weiterbildungsmaßnahme für Ehrenamtliche diente. „So war jeder gleich voll im Thema und konnte entscheiden, ob er sich in diesem Bereich überhaupt engagieren will“, sagt Patrick Jutz. Eingeladen hatte sich die Ehrenamtlichen für das Seminar eine Beraterin, die für das Diakonische Werk des evangelischen Kirchenbezirkes Baden-Baden und Rastatt arbeitet und genau weiß, wie Asylbewerber sich fühlen: Sie musste einst selber mit ihrer Familie fliehen und hat später das Spiel maßgeblich entwickelt. „Die Erfahrungen, die man dabei macht, sind von unschätzbarem Wert, betont Patrick Jutz: „Man kann schnell nachempfinden, wie es Asylbewerbern ergeht, wie schwierig die Situation für sie ist und wie wenig Entscheidungsspielraum übrig bleibt, wenn Menschen das deutsche Asylrecht in Anspruch nehmen wollen.“

Genau das ist auch das erklärte Ziel des Spiels: Den Teilnehmenden die Schwierigkeiten näherzubringen, mit denen Flüchtlinge konfrontiert sind, um auf diesem Weg auch mögliche Vorurteile abzubauen. Eingesetzt wird „Asylopoly“ zwischenzeitlich vielfach auch in Schulen, benötigt werden dafür lediglich zwei Räume, in denen unterschiedliche Situationen erlebt werden. Das fiktive Schicksal der Teilnehmenden hat dabei meist einen realen Hintergrund. „Alles, was wir gespielt haben, waren Fälle aus der Praxis“, sagt Patrick Jutz. „Das macht einen schon sehr nachdenklich.“ (mh)