Hilfstransporte auf der Balkan-Flüchtlingsroute

Besonders ein Foto aus den Nachrichten bewegte die Freie Journalistin Karin Schmidtke aus Schenkenzell (Landkreis Rottweil): Ein Vater trägt sein Kind im Arm, sein Gesicht ist blutüberströmt. Der Flüchtling schreit, versucht in Sicherheit zu kommen. Im Hintergrund sieht man Tränengas, Stacheldraht, Militär. »Kann es solche Situationen in der Europäischen Union geben?«, fragte Karin Schmidtke sich, erschüttert von dieser Szene. Von den Vorgängen wollte sie sich selbst überzeugen, die Planung begann.

Wenn ich schon fahre, dann kann ich gleich das Auto mit Hilfsgütern beladen, um den Menschen vor Ort zu helfen, dachte sich die Schwarzwälderin. Ein Freund unterstützte Karin Schmidtke mit einer großzügigen Spende, so konnte ein Transporter gemietet werden. Weitere Freunde und Bekannte, aber auch Fremde die über Facebook von dem Einsatz erfahren hatten, unterstützten ebenfalls,  mit Kleidung, Schuhen, Babynahrung, Kraftriegeln und Hygieneartikeln.

Am 1. Oktober startete die Tour, am Abend des nächsten Tages kam Schmidtke im kroatischen Flüchtlingscamp in Opatovac an. Dort arbeitete sie als freiwillige Helferin bis zum 11. Oktober aktiv mit. Sie suchte den Kontakt zu Flüchtlingen, um von ihren Erlebnissen zu erfahren. Ständiger Begleiter in ihrer  Jackentasche war die Kasperlepuppe ihres Enkelsohnes. »Mit dem Kasper konnte ich nicht nur die Kinder aufmuntern. Auch  Eltern, umstehende Erwachsene, und  sogar Polizeibeamte und Rotkreuzhelfer – öffneten sich für Gespräche«, verriet Schmidtke schmunzelnd. Beim Rückweg stoppte die Journalistin am Grenzübergang in Zakany/Ungarn, in Wien am Westbahnhof und am Hauptbahnhof in München. Noch auf der Rückfahrt beschloss Karin Schmidtke, einen weiteren Transport zu organisieren. Wieder wurden Hilfsgüter gesammelt und der  Abfahrtstermin  auf den  22. November festgelegt. Hinter dem Transporter rollte diesmal, ein vier Meter langer Anhänger,  der von einem Installationsbetrieb zur Verfügung gestellt worden war. Damit konnten 98 Kartons und 37 Säcke gefüllt mit Spenden den Kriegsflüchtlingen entgegen gebracht werden. Das erste Ziel hieß Slawonski Brod, das winterfestere Nachfolge-Camp von Opatovac, dort wurde der Anhänger entladen. . Am nächsten Tag ging die Reise weiter in das serbische Dimitrovgrad, an der Grenze nach Bulgarien. Freiwillige Helfer aus ganz Europa sorgten dafür, dass die Flüchtlinge Regenschutz, eine warme Suppe und notfalls Erste Hilfe bekammen. »Augenzeugen  aus  Syrien und Afghanistan berichteten, dass Kriegsflüchtlinge von bulgarischen Polizeibeamten geschlagen, mit Elektroschocks misshandelt und ausgeraubt wurden. „Diesen Vorwürfen muss unbedingt nachgegangen werden“  fordert Karin Schmidtke, die  zutiefst erschüttert war, dass  solche Gewalttaten offenbar   von Polizeikräften – in der Europäischen Union verübt wurden. . Im Internet findet man einen Blog zu den Transporten: www.fluechtlingsreportage.blogspot.de .

Gemeinsam  mit dem erfahrenen Diplom-Psychologen Peter Schimak aus Schramberg hielt Karin Schmidtke bereits mehrere Vorträge. Peter Schimak beleuchtet dabei die möglichen psychischen Folgen durch  traumatisierende Vorfälle oder Situationen. Aber auch die Belastungen für die  Helfer sind nicht harmlos.

Der nächste Vortrag findet am 12. Januar, 18.30 Uhr in der Business School Alb-Schwarzwald in Rottweil statt. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

 
 

 

Fotos: Karin Schmidtke