Schulprojekt als Begegnung mit Wiederholungswunsch

Foto: GWRS Sulgen

Die Grund- und Werkrealschule Sulgen hat ihre Projekttage genutzt, um sich unter dem Motto „Fremd ist der, den man nicht kennt“ mit der Flüchtlingsthematik auseinanderzusetzen. Zum Abschluss des Projekts haben die Zehntklässler etliche Flüchtlinge zu einer Begegnung eingeladen, die auf Wunsch aller Beteiligten wiederholt werden soll. Ein Erfahrungsbericht.

Knapp 60 Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klasse haben an den  diesjährigen Projekttagen der Grund- und Werkrealschule Schramberg-Sulgen mitgemacht. Zur Einstimmung auf die mehrtägige Auseinandersetzung mit der Flüchtlingsthematik und ihren verschiedenen Facetten wurde der Dokumentarfilm „Die Kinder von Aleppo“ gezeigt, was viele der Schüler sichtlich bewegt hat. In dem Film, der mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, ist das Schicksal von einigen Flüchtlingen in seiner ganzen Tragweite dargestellt, vom Bürgerkrieg in Aleppo über die Flucht bis hin zu ihrem neuem Leben in der Stadt Goslar.

Ein wesentlicher Teil des Projekts bestand aus zehn Stationen, die von den Jugendlichen in Einzelarbeit oder Kleingruppen durchlaufen werden mussten. Dabei ging es um Fragen und Aufgabenstellungen rund um das Thema Flucht. So mussten die Schüler zum Beispiel erörtern, welche Ursachen es für Flucht gibt und in welchen Ländern Kriege oder Krisen herrschen. Und sie mussten ausweglose Situationen nachspielen und sich hinterher selber entscheiden, ob sie fliehen oder bleiben würden. Welche Gründe sprechen dafür, welche dagegen? Fast alle Jugendlichen, so die Bilanz der Projektleitung, hätten sich für eine Flucht entschieden, ihren fiktiven Kindern zuliebe und im Sinne einer besseren Zukunft.

Zur Auseinandersetzung mit einem Leben auf der Flucht gehörte zudem auch, sich zu entscheiden, auf welche Dinge sie im Leben nicht verzichten könnten. Aufgabe in diesem Fall war, ein Ranking zu erstellen und die fünf wichtigsten Gegenstände zu benennen, die auf der Flucht auf keinen Fall fehlen sollten. Das Handy, Fotos, diverse Erinnerungsstücke sowie Geld standen dabei an oberster Stelle.

Am zweiten Projekttag waren mit Angelika Nagel und Annika Sjögren zwei ehrenamtliche Patinnen des Netzwerks Willkommen zu Besuch an der Werkrealschule. Die beiden Helferinnen schilderten zwei Stunden lang sehr eindrücklich die Vielfalt ihrer Aufgaben, beantworteten die Fragen der Jugendlichen und tauschten sich mit ihnen über eigene Erfahrungen und Gefühle aus. Unter anderem ging es dabei um die Schwierigkeiten bei der Verständigung und die mühevollen Versuche, sich die arabische Sprache anzueignen. Gleichzeitig erzählten sie auch von ihren Erfahrungen mit der „Bürokratie“.

Beim letzten Teil des Projekts kam es dann zu einer Begegnung zwischen den Schülerinnen und Schülern der  Klasse 10 der Werkrealschule und einer so genannten VABO-Klasse (Vorbereitung in Ausbildung und Beruf ohne Deutschkenntnisse) der Berufsschule. Die Anfrage zu einen gemeinsamen Vormittag war von den Berufsschülern, 15 jungen Männern und einer Frau zwischen 15 und 21 Jahren, zuvor offen und herzlich angenommen worden. Die VABO-Schüler aus Syrien, Afghanistan, Somalia und anderen Ländern büffeln seit mehreren Monaten 18 Stunden pro Woche deutsche Vokabeln und Grammatik. Entsprechend gespannt waren sie, was sie in der deutschen Klasse erwartet.

Die erste Begegnung zu Beginn war noch sehr vorsichtig und zaghaft, nach kurzer Zeit wurde aber schnell ein gemeinsames Miteinander mit lustigen Spielen, vielen spaßigen Momente und auch witzigen Missverständnissen daraus. Nach zweistündiger Kennenlernphase in der Schule wechselte die Gruppe in den Jugendtreff Exit, der den jungen Menschen für den Rest des Vormittages zum Musik hören, Billard und Tischkicker spielen zur Verfügung stand. Dass es allen Beteiligten gefallen hat, zeigte sich derweil auch hinterher: Bereits einen Tag nach der Begegnung hat die zehnte Klasse der Werkrealschule den Wunsch vorgetragen, bis zum Ende des Schuljahres ein weiteres Treffen zu organisieren und beispielsweise ein gemeinsames Fußballspiel zu veranstalten. 

Foto: GWRS Sulgen
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