Das Selbstvertrauen der Kinder stärken

Die Tübinger Initiative „Schwimmen für alle Kinder“ hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele Kinder aus Flüchtlingsfamilien und Familien mit wenig Geld zum bronzenen Schwimmabzeichen zu führen. Drei ehrenamtlich Engagierte berichten, welche Erfahrungen sie bisher mit dem ambitionierten Projekt gemacht haben und was die Erfolgsfaktoren sind.

Barbara Lutz vom Freundeskreis Asyl Schellingstrasse in Tübingen:

Als Koordinatorin eines Tübinger Freundeskreises kann ich gut ermessen, mit welchen psychologischen Problemen und Traumaerfahrungen Kinder aus Familien, die ihre Heimat verlassen mussten, belastet sind. Aus ihrer Heimat konnten sie fast nichts mitnehmen außer ihre Erinnerungen, die zum Teil ein schweres Gepäck darstellen. Gegenüber ihren Altersgenossen sind sie dadurch sehr benachteiligt und verunsichert. Hier stellt solch ein tolles Angebot wie „Schwimmen für alle Kinder“ eine fast einmalige Gelegenheit dar, über alle Sprach- und Kulturbarrieren hinweg gleichberechtigt ihre Fähigkeiten zu zeigen und auch mit den anderen Kindern ein Gruppengefühl zu entwickeln. Sie sind stark und können daher, wenn notwendig, auch hilfsbereit und großzügig agieren. Diese Fähigkeit bringen viele der Kinder von Natur aus mit und es ist in unserer individualisierten Gesellschaft von großer Bedeutung. Abgesehen vom wichtigen Hauptgrund, die Schwimmsicherheit aller Kinder unabhängig vom elterlichen Geldbeutel sicherzustellen, wird so die soziale Kompetenz der Kinder gefördert. Diese zwei Aspekte sind nicht zu unterschätzen und machen dieses Projekt sehr förderwürdig.

Ute Steinacker, Schulsozialarbeiterin an der Tübinger Silcherschule:

Aus der Erfahrung des klassenübergreifenden Schwimmkurses für die Kinder der Grundschulklassen kann ich sagen, dass die Kinder mit großem Spaß und viel Einsatz zum Schwimmen gehen. Es ist für alle ein wichtiger Termin in der Woche und die Kinder berichten immer sehr stolz von ihren Fortschritten. Die zusätzliche Bewegung tut allen gut und durch das Schwimmen werden die Eigenwahrnehmung und das Selbstvertrauen der Kinder gestärkt. Durch die bunte Zusammenstellung über die Klassenstufen hinweg entstehen dabei auch schöne und neue Kontakte.

Dagmar Müller, Initiatorin und Leiterin des Projekts:

Wir haben viel gelernt und werden auch weiterhin dazulernen und unsere Erfahrungen in unsere Projektarbeit einfließen lassen. Zeitnahes Reagieren und vernetztes Arbeiten sind die Erfolgsfaktoren des Projektes, das uns als Team in seiner Vielschichtigkeit fordert. Im Jahr 2015 war fehlendes Geld für die Buskosten ein Hinderungsgrund, inzwischen gibt es das „tricky ticket“, das die Familien für fünf Euro im Monat erwerben können. Gab es zu Beginn eine Jahreskarte zum erfolgreichen Seepferdchen-Abschluss, so wurde das Ende 2016 umgestellt. Seither gibt es eine Jahreskarte dann, wenn die Schwimmsicherheit mit dem Bronzeabschluss erreicht wird. Die Betreuenden werden stärker eingebunden, den Eltern und insbesondere den Jugendlichen wird immer wieder verdeutlicht, dass nur rechtzeitiges Erscheinen und regelmäßige Teilnahme zum Erfolg führen können. Eine Sisyphusaufgabe, wenn man das Zeitverständnis in südlichen Ländern betrachtet. Wir sind direkter, nachhaltiger und konsequenter geworden.  Der direkte Kontakt zu den Teilnehmern ist der beste Garant für den erfolgreichen Abschluss, um die Unterschiedlichkeiten in Sprache und Kultur  zu lösen. Junge Geflüchtete mit Talent werden bis zum Rettungsschwimmer gefördert. Sie unterrichten dann selbst und sind ein Vorbild für die neuen Schwimmschüler.  Unsere Vision ist, dass alle Kinder mit 10 Jahren bei Verlassen der Grundschule schwimmsicher sind. Mit zwei Pilotprojekten an Grundschulen wollen wir aufzeigen, wie dieses Ziel erreicht werden kann.