Von Cricket bis zu Sprachkursen

Das Engagement der württembergischen Sportvereine vor Ort im Bereich der Flüchtlingshilfe ist groß und vielfältig. Die Angebote reichen von der Unterstützung der geflüchteten Personen in sämtlichen Lebensbereichen bis zur Eingliederung von Heimatsportarten in das reguläre Angebot. Fünf Beispiele aus dem Vereinsleben.

Zu den Vereinen, die unter dem Dach des Württembergischen Landessportverbandes (WLSB) seit geraumer Zeit beispielhafte Arbeit im Bereich der Flüchtlingshilfe leisten, gehört der TV Pflugfelden.  Der Verein wollte den Neuankommenden die Möglichkeit bieten, sich über den Sport schnell in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Im engen Austausch mit dem zuständigen Sozialarbeiter ist die Idee entstanden, das reguläre Vereinsangebot um die neue Sportart Cricket zu erweitern. Das gemeinsame Sporttreiben wird dabei mit einem Deutschkurs verbunden und stellt somit einen enormen Mehrwert für alle Beteiligten dar. Zwischenzeitlich konnten innerhalb der neuen Cricket-Abteilung verschiedene Mannschaften für männliche und weibliche Jugendliche sowie für Frauen und Männer aus verschiedenen Herkunftsländern wie Pakistan, Iran, Sri Lanka und auch Deutschland gebildet werden.

Erste Bewegungsformen als Grundlage

Der TV Holzheim hat ein Turnangebot eingerichtet, das sich speziell an geflüchtete Kinder richtet. Innerhalb der Übungsstunden können die Kinder unterschiedlichen Alters dabei spielerisch ein breites Spektrum erster Bewegungsformen erlernen und erleben, die der Grundstein für weitere sportliche Aktivitäten sind. Unter anderem gelingt es auf diesem Weg auch, ihnen bei einem Umzug in eine Anschlussunterbringung den Einstieg in einen Sportverein zu erleichtert. Um möglichst viele Kinder zu erreichen, holt die Übungsleiterin sie sogar selber ab.

Deutschkurs zwischen den Trainingseinheiten

Beim TSV Weinsberg üben bis zu 40 Geflüchtete eine für sie vollkommen neue Sportart: Kegeln! An zwei Tagen in der Woche werden von der engagierten Abteilungsleiterin Trainingseinheiten angeboten, die regelmäßig gut besucht sind. Zur Saison 2016/2017 hat der TSV Weinsberg so erstmals seit einigen Jahren wieder eine Kegelmannschaft für den aktiven Ligabetrieb anmelden können. Dies war aufgrund von geringen Teilnehmerzahlen in den letzten Jahren nicht möglich. Die Teilnehmenden stammen aus verschiedenen Ländern, darunter unter anderem aus Syrien, Eritrea und Pakistan. Um die Kommunikation innerhalb der Mannschaft zu stärken, wird zwischen den Trainingseinheiten ein halbstündiger Deutschkurs als Ergänzung zu den allgemeinen Deutsch- und Integrationskursen angeboten. Aufgrund der guten Erfahrungen plädiert die Übungsleiterin innerhalb des Sportvereins dafür, die Geflüchteten in das Vereinsleben direkt einzubeziehen.

Geflüchtete Frauen ins Vereinsleben integrieren

In Gebersheim hat sich aufgrund des Zuzugs von sechs geflüchteten Familien mit insgesamt 38 Mitgliedern die Gesamtsituation im Ort verändert. Ziel des SV Gebersheim war es, diesen Familien die Vielfalt des Sportangebots des Vereins nahe zu bringen. Die engagierten Übungsleiter haben sich dabei besonders dafür eingesetzt, die geflüchteten Frauen in den Sportverein zu integrieren, was auch gelungen ist. Sie haben den Weg in ganz unterschiedliche Sportgruppen gefunden, darunter beispielsweise Yoga, Gymnastikkurse, Krafttraining und Step-Aerobic. Die meisten der Teilnehmenden kommen regelmäßig, allerdings zeigen die Erfahrungen, dass sich gerade bei Sportarten mit komplexen Bewegungsabläufen die Sprachbarriere besonders bemerkbar macht und die geflüchteten Frauen sich nach den Erfahrungen der Übungsleiterinnen schneller in Bodengymnastikgruppen zurecht finden. Parallel zu diesen Angeboten ist es in Gebersheim gelungen, dass viele Geflüchtete auch über andere Sportgruppen zwischenzeitlich Teil des Sportvereins und der Gemeinde geworden sind.

Gemeinsam eine Perspektive entwickeln

Der SV Edelfingen hatte zu Beginn des Jahres 2016 neben einem leichten Rückgang der Mitgliederzahlen auch Probleme, den aktiven Fußballbetrieb aufrecht zu erhalten. Er setzte es sich daher zum Ziel, geflüchtete Menschen für den Sport zu gewinnen. Der Verein wählte dabei einen ganzheitlichen Ansatz, der sich stark an den Bedürfnissen geflüchteter Menschen orientiert und in dem das gemeinsame Sporttreiben nur eine Facette von vielen Aspekten ist. Die Unterstützungsleistungen des Vereins zielen darauf ab, geflüchteten Menschen den Start in Deutschland zu vereinfachen und den Sportverein als sozialen Raum des gegenseitigen Unterstützens vorzustellen. So werden beispielsweise auch kostenlose Sprach- und Integrationskurse angeboten, damit die Betroffenen schnell Anschluss finden können. Sprache wird vom SV Edelfingen dabei als eine zentrale Qualifikation angesehen, die gerade bei der Suche nach Arbeit ein entscheidendes Kriterium ist. Daher wird dem Spracherwerb auch im Training viel Aufmerksamkeit geschenkt. Gleichzeitig unterstützt der Verein die Geflüchteten individuell bei der Suche nach Arbeit. Dank dieser Beratung und Begleitung sowie der Kontakte konnte bereits mehreren Geflüchteten ein Job in der Region vermittelt werden. Zudem werden die Geflüchteten auch bei der Suche nach einer Wohnung unterstützt, bei der ein bestehender Arbeitsvertrag ein großer Vorteil ist. Dem Verein ist es mit diesem ganzheitlichen Ansatz gelungen, geflüchtete Menschen nicht nur als neue Zielgruppe zu gewinnen, sondern einen Kontakt auf Augenhöhe zu ermöglichen und mit ihnen gemeinsam eine Perspektive für ihr Leben in Deutschland zu entwickeln.