Malteser: Hilfe für geflüchtete schwangere Frauen

(Stuttgart) Frauen, die ein Kind erwarten, und trotzdem aus ihrem Heimatland fliehen mussten oder andere, die ein Kind bekommen haben und noch nicht lange in Deutschland leben, haben es besonders schwer. Sie sprechen weder Deutsch, noch kennen sie sich mit dem hiesigen Gesundheitssystem aus. Mit ihrem Projekt „Schwanger in der Fremde“ unterstützen die Malteser in Stuttgart Frauen wie Fatou aus Gambia in den Flüchtlingsunterkünften.

Wie kleine Püppchen sehen die beiden Zwillinge Assan und Ousainou aus, die Fatou vor zwei Monaten zur Welt gebracht hat. Gemeinsam mit anderen Frauen und ihren Babys sitzt sie im Aufenthaltsraum der Flüchtlingsunterkunft in der Mercedesstraße in Stuttgart-Bad Cannstatt. Über ein Jahr wartet die 30-Jährige schon auf das Ergebnis ihres Asylantrags. Ganz alleine war sie über Lybien und Italien nach Deutschland gekommen. Der Vater, ebenfalls ein Flüchtling aus Afrika, kümmert sich nicht um die Kinder, daher ist Fatou auf sich gestellt. „Es ist sehr anstrengend für mich, zwei Kinder auf einmal zu versorgen. Ich komme kaum zum Schlafen“, erzählt sie auf Englisch. Deutsch spricht sie nicht und jetzt, mit den beiden Kleinen, ist es ihr erst recht nicht möglich, einen Sprachkurs zu besuchen. Neben ihr sitzt Marie Umlauff, ebenfalls mit einem Baby im Arm. „Da ich gerade in Elternzeit bin, habe ich viel Freizeit. Die wollte ich sinnvoll nutzen und mich um Menschen kümmern, die Hilfe brauchen“, erklärt die 32-Jährige Lehrerin ihre Beweggründe, beim Projekt „Schwanger in der Fremde“ mitzumachen. Sie begleitet Fatou zum Arzt, zur Hebamme und zu Behörden oder besucht sie einfach nur und unterhält sich mit ihr.

Junge Mütter geben ihre Erfahrungen weiter

Mittlerweile gibt es die Unterstützung für Schwangere und Frauen mit Babys in fünf Flüchtlingsunterkünften in Stuttgart. Rund 40 Ehrenamtliche helfen mit. Die Idee dazu hatte Elisabeth Staudenmaier, die Stadtbeauftragte der Malteser, vor einem Jahr: „Die Malteser leisten gute, professionelle Hilfe in medizinischen Notfällen und sind für die Verpflegung der Flüchtlinge in mehreren Unterkünften zuständig. Dieses Angebot wollte ich ergänzen. Es hat sich schnell gezeigt, dass der Bedarf an Begleitung bei schwangeren Frauen groß ist.“ Besonders freut Elisabeth Staudenmaier, dass sich für die Flüchtlingsfrauen viele junge Mütter engagieren. So können sie ihre eigenen Erfahrungen direkt weitergeben. Sie fügt hinzu: „Wenn man Flüchtlinge kennenlernt, nimmt man die täglichen Nachrichten anders wahr. Auf einmal verbindet man die abstrakten Meldungen mit ganz konkreten Menschen.“ (cg)

Fotos: Cornelia Geidel