Ein Spielmobil für Flüchtlingskinder

Das in der UN-Kinderrechtskonvention verankerte Recht auf Spiel, Freizeit und Erholung lässt sich in Flüchtlingsunterkünften nur erschwert umsetzen. Um diese Lücke zu schließen, hat die Landeshauptstadt Stuttgart im vergangenen Jahr im Rahmen einer Städtepartnerschaft mit Unicef Deutschland ein mit Spendengeldern finanziertes Spielmobil für Flüchtlingskinder angeschafft.

Das Spielmobil Mobifant ist ein Kleintransporter, randvoll mit Ideen, Projekten und Materialien, der erstmals für einen Projektzeitraum von einem Jahr gezielt Flüchtlingsunterkünfte in ganz Stuttgart anfährt, in denen Kinder wohnen. Übergeben worden ist das neue Spielmobil bereits im Juli vergangenen Jahres, seither ist es in Absprache mit dem Sozialamt und den Sozialdiensten und den Heimleitungen der Unterkünfte in Stuttgart unterwegs. Das Konzept sieht vor, dass eine Unterkunft an drei, vier Tagen hintereinander angefahren wird. Nach Beginn des Projekts konnten innerhalb von vier Monaten 19 Unterkünfte angefahren werden, an 55 Einsatztagen wurden dabei 1.781 Besucher gezählt.

Ein weiterer positiver Effekt des Spielmobils ist, dass Kinder mit Fluchterfahrungen und Kinder aus der Nachbarschaft der Unterkünfte Gelegenheiten haben, gemeinsam zu spielen und sich auszutoben. „Kinder brauchen Freiraum zum Spielen“, betonte Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn bei der Übergabe in einer Flüchtlingsunterkunft in Zuffenhausen. Das Spielmobil gebe den Kindern Möglichkeiten zum Spielen und zum gegenseitigen Kennenlernen. „Das trägt zur Integration bei und unterstreicht die Kinderfreundlichkeit unserer Stadt“, so Kuhn. Denn: „Kinder, die mit ihren Familien bei uns Schutz gesucht und gefunden haben, sind Stuttgarter Kinder."

Betreut wird das Spielmobil von pädagogischen Fachkräften der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft, die von Unicef-Mitarbeitern für den besonderen Umgang mit Kindern mit Fluchterfahrung geschult wurden. Außerdem hat das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen für die pädagogische Arbeit spezielle Spielsachen bereitgestellt, die sich besonders in Krisensituationen und Flüchtlingsunterkünften bewährt haben. Der Impuls, die Unterstützung von Flüchtlingskindern in Stuttgart als Projekt in die Städtepartnerschaft aufzunehmen, war von der Kinderbeauftragten Maria Haller-Kindler gekommen. „Die Kinder in den Unterkünften brauchen mehr Angebote. Spielräume und Spielerfahrungen sind wichtig, um unbeschwert Kind zu sein. Das Spielmobil hilft also, die Fluchterfahrungen und den Verlust von Heimat zu verarbeiten", betont sie.  Die Anschaffung des Spielmobils hat rund 30.000 Euro gekostet, Betrieb und Unterhalt kosten weitere 81.000 Euro pro Jahr.

Filmbeitrag über das Spielmobil für Flüchtlingskinder auf Regio-TV