Die erste Zeitung für Flüchtlinge

Abwab heißt die erste arabischsprachige Zeitung in Deutschland, die speziell für Flüchtlinge gedruckt wird. Die Herausgeber wollen auf diesem Weg Asylbewerbern im ganzen Land helfen, ihre neue Heimat besser zu verstehen. Gleichzeitig soll die Zeitung ein Korrektiv gegen falsche Nachrichten sein, die immer wieder über soziale Netzwerke verbreitet werden.

 

Bei dem bundesweit einmaligen Zeitungsprojekt „Abwab“ ist der Name Programm: Ins Deutsche übersetzt bedeutet der arabische Begriff „Türen“. Diese sollen sich für viele Flüchtlinge in Deutschland künftig dank der Berichterstattung über politische, kulturelle und gesellschaftliche Ereignisse in arabischer Sprache schneller öffnen als bisher. Die bundesweit erste Zeitung für Flüchtlinge, die einmal im Monat erscheint, will den Ankommenden auf diesem Weg helfen, sich zu orientieren und damit ein Beitrag zur Integration sein.

Mitbegründer der ersten arabischsprachigen Zeitung in Deutschland ist der syrische Journalist und Schriftsteller Ramy al Asheq, der über ein Autorenstipendium der Heinrich-Böll-Stiftung nach Deutschland gekommen ist. Die Zeitung wird in Köln produziert, in der oberfränkischen Stadt Hof gedruckt und in einer Auflage von 45.000 Exemplaren kostenlos in Flüchtlingsunterkünften in ganz Deutschland verteilt. Finanziert wird das Blatt durch Spenden und Anzeigen.

Zwei Ausgaben sind seit dem ersten Andruck im Dezember vergangenen Jahres erschienen. Die erste Ausgabe zeigt Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Titelblatt – zusammen mit  ihrem politischen Statement: „Das Ziel ist die Lösung des Konflikts ohne Bashar Al-Assad.“ Daneben schreibt Chefredakteur Ramy al Asheq in seinem arabischen Vorwort unter anderem: „Sie kommen in das neue Land, von dem sie nicht viel wissen. Weder über die Kultur noch die Gesellschaft noch die Politik.“ Nun soll die Zeitung „Abwab“ den vielen Flüchtlingen die Tür zum Leben in Deutschland öffnen.

Die Journalisten, die alle ehrenamtlich arbeiten und vielfach selber Flüchtlinge sind, berichten aus Deutschland, aber auch aus Syrien oder dem Irak. Einerseits liegt den Herausgebern die große Weltpolitik am Herzen und das, was in den Herkunftsländern der Asylbewerbern passiert. So wird in der Zeitung etwa über den Einsatz deutscher Aufklärungstornados im Kampf gegen den „IS“ berichtet oder über einen der ältesten Buchhändler in Aleppo. Der inhaltliche Schwerpunkt der Berichterstattung liegt aber auf Artikeln, die das Leben in Deutschland erklären, die beschreiben, wie der Staat und die Gesellschaft funktionieren, die sich mit Themen wie „Feminismus“ oder „Rassismus“ beschäftigen.

In der jüngsten Ausgabe wurden auch die Silvesternacht in Köln und ihre Folgen diskutiert. Dazu haben die Herausgeber einen Essay zum ersten Artikel des Grundgesetzes gedruckt und eine praktische Anleitung mit dem Titel „Zehn Schritte zur Integration.“ Darin heißt es unter anderem: „Beginne bei nächster Gelegenheit damit, die Sprache deines Gastlandes zu lernen.“ Außerdem empfiehlt der Autor, dass man immer versuchen solle, „Informationen aus den Originalquellen zu bekommen“. Denn darin sehen die Zeitungsmacher ein großes Problem: Dass über soziale Netzwerke immer wieder falsche Nachrichten und Fehlmeldungen verbreitet werden, die dann eine ganze Community in Aufruhr versetzen. (mh)