Eine Kombination aus Wikipedia und Facebook

Unter der Regie des Freiburger Priesters Jörg Sieger ist in ehrenamtlicher Arbeit eine neue Internetplattform für Hilfsangebote aller Art und einen Informationsaustausch entwickelt worden, die sich von bisherigen Angeboten dieser Art unterscheidet. Wer Zugang zu dem geschützten Portal haben will, muss sich zuerst registrieren und freischalten lassen. Damit soll gewährleistet werden, dass die Helferkreise die Kontrolle über die eigenen Daten behalten.

Internetplattformen und Netzwerke, über die Hilfsangebote vermittelt und Informationen ausgetauscht werden, gibt es zwischenzeitlich schon etliche, die allesamt rege genutzt werden. Dass nun mit viel Aufwand noch ein weiteres Angebot dieser Art entwickelt wurde, hat einen triftigen Grund, wie der Theologe Jörg Sieger von der Erzdiözese Freiburg betont: „Wir brauchen in der Flüchtlingshilfe bei aller Offenheit einen geschlossenen Raum, in dem niemand Zugang hat, der da nicht hingehört“, betont er: „Die Helferkreise sollen selber entscheiden können, wer Zugriff auf ihre Daten hat und mit wem sie sich austauschen wollen.“

Die Idee hinter der neuen Plattform ist, eine Art Kombination der Onlinebibliothek Wikipedia und einem sozialen Netzwerk wie Facebook zu schaffen. So gibt es innerhalb eines angemeldeten Helferkreises beispielsweise ein Schwarzes Brett für die jeweils wichtigsten Informationen, auf das etwa auch benachbarte Helferkreise zugreifen können. Gleichzeitig können beliebig viele Dokumente eingestellt und gezielt bestimmten Teilnehmergruppen zur Verfügung gestellt werden. Auf diesem Weg könnten sich die Ehrenamtlichen innerhalb eines Helferkreises austauschen, so Jörg Sieger. Gleichzeitig sei so aber auch die Kommunikation mit anderen Initiativen sowie den Hauptamtlichen in der Verwaltung und bei Verbänden möglich. Für diesen hauptamtlichen Teilnehmerkreis wurde auf der Plattform zudem ein ganz eigener Bereich eingerichtet, um die Kontaktaufnahme zu vereinfachen. Voraussetzung dafür ist, dass die jeweiligen Ansprechpartner aus der Verwaltung von dem entsprechenden Helferkreis eingeladen und freigeschaltet werden. Um registriert zu werden, braucht es zudem einen persönlichen Kontakt zu einem Helferkreis. Damit solle gewährleistet werden, so Jörg Sieger, „dass sich keine Unbefugten Zutritt zu Daten verschaffen“.

Zur Funktionalität der Plattform gehört unter anderem auch ein Kalenderprogramm, das die Planung von Veranstaltungen und anderen Terminen ermöglicht. Die jeweiligen Einträge können von anderen Teilnehmern mit Kommentaren ergänzt werden. Das Programm könne schon jetzt sehr viel, es sei aber noch lange nicht fertig, betont Jörg Sieger, der seit vergangenem Jahr beim Caritasverband der Erzdiözese Freiburg im Rahmen des Projekts „Nah an Menschen von weit weg“ die Arbeit der vielen Freundeskreise und Ehrenamtlichen koordiniert. Die Internetplattform sei bisher allein durch ehrenamtliches Engagement entwickelt worden, neben dem Bruchsaler Informatiker Roland Sand habe sich vor allem auch die Fachhochschule Karlsruhe beteiligt, so Sieger. Umgerechnet in bezahlte Arbeitsstunden würden sich die bisherigen Entwicklungskosten bereits auf 250.000 Euro belaufen.

Vor kurzem ist nun mit sechs Helferkreisen aus Bruchsal die Pilotphase gestartet worden, involviert sind zudem das Landratsamt Karlsruhe und der Caritasverband Freiburg. Gedacht ist das System auch, um gezielt E-Mails verschicken zu können. Dabei soll das Programm über eine implementierte Regionalstruktur selber erkennen, wer die entsprechenden Empfänger sind. „Das soll auch eine Arbeitserleichterung für die Hauptamtlichen sein, die über diese Struktur dann automatisch jeden Ehrenamtlichen erreichen können, für den die Informationen relevant sind“, betont Jörg Sieger, der das Programm nach erfolgreich abgeschlossener Pilotphase für einen landesweiten Einsatz weiterentwickeln lassen will. Jeder Teilnehmer könne dabei auf die weitere Ausgestaltung aktiv Einfluss nehmen, betont er. „Wir werden die Erfahrungen und Anregungen sammeln und das Programm ständig ausbauen.“