Zachidad erzählt aus seinem Leben

Acht Flüchtlinge aus Afghanistan haben zusammen mit ihrer Sprachlehrerin ein Buch geschrieben, das in einfachem Deutsch aus der Lebenswelt von Asylbewerbern erzählt. Die Geschichten drehen sich um die erfundene Figur Zachidad, die in den sieben Kapiteln reale Begegnungen erlebt. Wer die berührenden Erzählungen liest, bekommt einen Einblick in den Alltag von vertriebenen Menschen.

„Unsere Sprachlehrerin Lisa hat uns erzählt, dass nicht alle Menschen in Deutschland freundlich sind. Es gibt Deutsche, die nicht wollen, dass Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Sie haben Angst, dass wir zu viel Geld oder Platz wegnehmen oder dass wir Terroristen sind. Ich möchte niemandem etwas wegnehmen. Ich möchte arbeiten und mein eigenes Geld verdienen! Und ich habe auch Angst vor Terroristen. Deshalb bin ich ja nach Deutschland gekommen.“

Eine Idee aus der Not

Entstanden ist die Idee zu dem Buchprojekt „Nazare chub“, nachdem ein junger Flüchtling aus Afghanistan der Sprachhilfelehrerin Kirstin Mörchen vom Arbeitskreis Asyl Köngen erzählt hatte, dass er gerne Bücher liest. Die Suche nach geeigneter Literatur für den jungen Mann gestaltete sich aber als schwierig. Aufgrund des geringen deutschen Wortschatzes kam herkömmliche Literatur kaum in Frage. Und Erstklassenlesebücher wie „Der verzauberte Schulranzen“ erschienen der Sprachlehrerin gleichfalls als ungeeignet für junge Männer. Also kam sie auf die Idee, selber ein Buch in einfachem Deutsch zu schreiben, das die Lebenswelt von Geflüchteten wiederspiegelt. Als sie ihre Sprachschüler fragte, ob sie Lust hätten, bei einem solchen Buch mitzuwirken, sagten alle immer wieder „Nazare chub!“. Das ist Dari und bedeutet „Gute Idee!“.

„Mein Name ist Zachidad. Ich bin 26 Jahre alt. Ich komme aus Afghanistan und lebe seit 8 Monaten in Deutschland. Ich wohne in einem Ort in der Nähe von Stuttgart. Abdul und ich sind Freunde geworden. Wir schlafen im selben Zimmen, wir wachen im selben Zimmer auf und hören die Geräusche, die der andere macht. Es ist besser, so etwas mit einem Freund zu teilen - ich habe Glück gehabt.“

Beim Erzählen der Lebensgeschichte aufgeblüht

Den Machern des Buchs, die als Erzähler die Kunstfigur Zachidad erfunden haben, geht es bei dem Projekt um verschiedene Intentionen. Zum einen um das gemeinsame Arbeiten mit den jungen Afghanen, die beim Erzählen ihrer Lebensgeschichten sichtlich aufgeblüht sind und beim gemeinsamen Lesen und Besprechen ihre Sprachkenntnisse erweitern konnten. Gleichzeitig ist dabei eine Publikation enstanden, die in erster Linie dazu dienen soll, anderen erwachsenen Flüchtlingen einen geeigneten Lesestoff anzubieten, der mit ihrer Lebenswelt zusammenhängt. Und nicht zuletzt ist das Buch auch eine gute Möglichkeit für alle anderen Interessierten, die Situation der Flüchtlinge besser kennenzulernen.

„Gestern habe ich mit meiner Frau telefoniert. Sie hat gesagt: ‚Ich vermisse dich! Wann sehen wir uns wieder?‘ Ich weiß es nicht. Die Leute vom Amt sagen immer: ‚Warte, warte!‘ Ich weiß, dass sie viel Arbeit haben und ich versuche, geduldig zu sein. Ein afghanisches Sprichwort sagt: ‚Wenn du wartest, verdienst du viel.‘“