Plakatkampagne soll Umdenken bewirken

Belastbar. Teamfähig. Zielorientiert. Stressresistent. Eine Werbeagentur hat eine Plakatkampagne entwickelt, die seither für Aufsehen sorgt. Die Macher wollen mit der Aktion nach eigener Aussage auf die schwierige Situation von Asylbewerbern bei der Jobsuche hinweisen und ein Umdenken in den Unternehmen bewirken. Für die Wahl der Mittel gibt es Lob und Kritik gleichermaßen.

Mehr als 500.000 geflüchtete Menschen suchen nach aktuellen Schätzungen derzeit in ihrer neuen Heimat einen Job. Für die meisten gestaltet sich die Suche schwierig, da sie häufig ihre bisherigen Qualifikationen nicht nachweisen können und zudem aufgrund der Flucht eine Lücke im Lebenslauf haben. Genau an diesem Punkt setzt das Start-up-Unternehmen Social-Bee mit einer ungewöhnlichen Plakataktion an, die darauf abzielt, die vermeintlichen Schwächen in Stärken zu verwandeln. 

Auf die harte Tour

Der Titel der Plakatkampagne lautet „Soft skills can come the hard way“  - „Soziale Kompetenzen können auf die harte Tour kommen“. Auf den großformatigen Bildern, die unter anderem im Stadtgebiet Stuttgart an Stadtbahnhaltestellen hängen, sind Flüchtlinge zu sehen - wie etwa Naser A. aus Afghanistan. Er sitzt in einem simulierten Bewerbungsgespräch und verkauft seine Fluchterfahrung als Stärke. „Ich bin belastbar“, heißt es auf dem Plakat. „An der Grenze zur Türkei kamen wir nicht weiter. Wir hatten drei Tage nichts zu essen.“ Ein anderes Beispiel ist Zeray O. aus Eritrea. Seine Kernbotschaft lautet: „Ich bin teamfähig“. In der kleingedruckten Erklärung darunter heißt es: „Ich habe mit 85 Menschen in einem kleinen Schlauchboot überlebt.“

Trauma oder soziale Kompetenz?

Die Macher der Kampagne wollen nach eigener Aussage auf diesem Weg ein Umdenken bewirken, insbesondere bei den Firmen- und Personalchefs. Flüchtlinge seien keine schwächeren Kandidaten auf dem Arbeitsmarkt. Sie hätten es aber schwer, überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Dass auf den Plakaten bewusst ein Zusammenhang zwischen den mitunter traumatischen Erlebnissen auf der Flucht und sozialen Kompetenzen hergestellt wird, die für einen potentiellen Arbeitgeber interessant sein könnten, sorgt neben viel Anerkennung für diesen ungewöhnlichen Weg derweil auch für einige Kritik.

Appell an Mitgefühl der Betrachter

Manche stören sich daran, dass belastende Erlebnisse als wirtschaftlich verwertbar propagiert werden. Der Überlebenskampf in einem kleinen Schlauchboot, so eines der Argumente, habe nichts mit der Teamfähigkeit zu tun, die in einem großen Unternehmen gefragt ist. Andere wiederum sehen in der Kampagne ein Zeichen gegen weit verbreitete Ressentiments und einen Appell an das Mitgefühl der Betrachter. 

Firmen bürokratische Hürden abnehmen

Die Männer auf den Plakaten selbst arbeiten derzeit für das Unternehmen Social-Bee, das nach eigenen Angaben von Stiftungen finanziert wird und Flüchtlinge in verschiedenen Bereichen als Zeitarbeiter einstellt. Ziel sei es, Firmen die bürokratischen Hürden bei der Anstellung von Asylbewerbern abzunehmen und sie auf diesem Weg in eine Festanstellung zu vermitteln.