Integration vor laufender Kamera

Foto: Hochschule der Medien

Der Stuttgarter Filmemacher Willy Rollé will Menschen mit und ohne Fluchterfahrung vor der Kamera zusammenbringen. Unter dem Titel „Refugee Webcome!“ plant der Absolvent der Hochschule der Medien (HdM) eine Komödie mit Tiefgang, die in verschiedenen Folgen im Internet gezeigt werden soll. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst unterstützt das Filmprojekt mit 25.000 Euro.

Der Stoff für das Filmprojekt „Refugee Webcome!“ soll von den Darstellern selbst erarbeitet werden, inspiriert etwa aus der Bibel oder dem Koran, aus Shakespeares „Romeo und Julia“ oder aus „1001 Nacht“. Für die Umsetzung plant der Stuttgarter Filmemacher Willy Rollé einen Workshop, in dem alle Arbeitsschritte von der Idee über die Drehbucherstellung und der Produktion bis zur fertigen Mini-Webserie durchlaufen werden. „Film ist ein sehr beliebtes Medium bei Menschen aus aller Welt. Es ist ein internationales und transkulturelles Ausdrucksmittel“, erläutert Gottfried Ohnmacht-Neugebauer, Leiter des Akademischen Auslandsamts der HdM, die zusammen mit dem Malteser Hilfsdienst Kooperationspartner bei dem Projekt ist. Auf Flüchtlinge zugeschnittene kulturelle Angebote seien rar, durch die Sprachbarriere fehle die Möglichkeit sich auszudrücken und die eigene Lebenswelt mit anderen zu teilen. Durch die Mitwirkung bei „Refugee Webcome!“ würden die Filmlaien zu Brückenbauern, so Ohnmacht-Neugebauer, der an der HdM Ansprechpartner für Flüchtlinge ist.

Auch HdM-Absolvent Willy Rollé, der im Stuttgarter Westen lebt, hat auf diesem Gebiet schon seine Erfahrungen gemacht: Der Autor, Regisseur und Produzent drehte im Jahr 2013 im Rahmen des Projekts „Kopfkino“ bereits einen viel beachteten Film über Vorurteile. Das Projekt war seinerzeit von der Hochschule der Medien und dem Forum der Kulturen initiiert worden, um Menschen aus unterschiedlichen Kulturen vor der Kamera zusammenzubringen. Nach diesem Prinzip will Rollé nun auch sein jüngstes Filmprojekt umsetzen. „Wir wollen ein möglichst hohes künstlerisches Niveau erreichen und den Zuschauer unterhalten“, so Rollé: Die Teilnehmer werden mögliche Themen erarbeiten, die in die Serie einfließen. Sie konzentrieren sich auf die Stoffentwicklung und das Schauspiel. Vorrausetzungen sind nicht erforderlich.“

Willy Rollé ist in Paris geboren, hat dort Philosophie und später Audiovisuelle Medien an der Stuttgarter Hochschule der Medien studiert. Seine Vorfahren stammen aus der Karibik. Für sein Projekt „Refugee Webcome!“ schwebt ihm nun eine Sitcom vor, eine Serie mit meist komödiantischen Episoden, wie er sagt. Die einzelnen Folgen können etwa in einem Flüchtlingsheim spielen, in dem sich Menschen unterschiedlicher Kultur und Charaktere begegnen. Gezeigt werden soll die Serie dann über das Internet. In Ländern wie Frankreich und Belgien seien Webserien bereits sehr beliebt, betont Rollé. „Über das Internet kann man viele Menschen weltweit erreichen.“      

Im Innovationsfonds Kunst fördert das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg insgesamt 36 Projekte mit rund 616.000 Euro, die der besonderen Lebenssituation von Migranten und Flüchtlingen Rechnung tragen. Das Projekt „Refugee Webcome!“ wird mit 25.000 Euro unterstützt.

Foto: Thomas Ch. Weber
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