Studie: Wie Ehrenamt und Verwaltung kooperieren

Foto: Bertelsmann Stiftung

Das freiwillige Engagement in Deutschland ist weiterhin von entscheidender Bedeutung für die Integration von geflüchteten Menschen in die Gesellschaft. Die Bertelsmann Stiftung hat nun in einer Studie unter anderem untersucht, wie die Koordination zwischen den Ehrenamtlichen und der Verwaltung funktioniert. Dabei sind drei verschiedene Modelle herausgekommen.

Tausende Menschen im ganzen Land engagieren sich privat, um die Not der vielen Flüchtlinge zu mindern. Das freiwillige Engagement hat mit der Zahl an Geflüchteten deutlich zugenommen. Die neue Studie „Koordinationsmodelle und Herausforderungen ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe in den Kommunen“ zeigt nun, dass insbesondere im Jahr 2015 viele neue Initiativen entstanden sind. Zahlreiche Helfer sind weiterhin im Einsatz und dabei hoch motiviert. Die Studie wurde vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) an der Berliner Humboldt-Universität im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt. Demnach sind viele Initiativen inzwischen dabei, sich zu institutionalisieren und beispielsweise Vereine zu gründen. „Das ist wichtig, damit Engagement langfristig wirkt“, betont Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Das leisten Helfer in Deutschland

Die engagierten Helfer in Deutschland übernehmen in der Flüchtlingsarbeit unter anderem auch Aufgaben, für die der Staat zuständig ist, wie zum Beispiel die Versorgung mit Lebensmitteln, Kleidung und Wohnraum. Weiterhin besonders wichtig bleibt ihr Einsatz als Brücke zwischen den Geflüchteten und den Behörden. So übernehmen sie wichtige Lotsen-Funktionen: begleiten Geflüchtete bei Behördengängen, bei ersten Schritten in Schulen und Praktika oder führen frühzeitige Sprachförderung unabhängig vom Status der Flüchtlinge durch. Die Helfer sorgen dafür, dass geflüchtete Menschen Angebote zur Integration überhaupt wahrnehmen können.

Freiwillig Engagierte brauchen Unterstützung von Kommunen

Gleichzeitig brauchen die freiwillig Engagierten die Unterstützung durch hauptamtliche Mitarbeiter seitens der Kommunen, um sich auf die Integration konzentrieren zu können und eine Entlastung bei den zentralen Personen zu erreichen. „Das vielfältige Engagement ist und bleibt zentral für die Integration der geflüchteten Menschen", sagt Bettina Windau, Expertin für zivilgesellschaftliche Entwicklungen bei der Bertelsmann Stiftung: „Damit dies langfristig gelingt, müssen Wege gefunden werden, um vor Ort das Engagement koordinierend zu unterstützen. Gleichzeitig müssen Autonomie und Mitsprache der Engagierten und der Geflüchteten geachtet werden."

So organisieren sich die Freiwilligen

Die Forscher haben in der Studie drei Formen der Zusammenarbeit zwischen den Städten und den Initiativen vor Ort identifiziert: Nach dem ersten Modell übernehmen vor allem einzelne Menschen ehrenamtlich die Koordination in den Städten oder Stadtteilen. Ihre Aufgaben reichen von der Einführung neuer Engagierter in die Initiativen über die Vermittlung konkreter Hilfsangebote bis zur Beantragung von Fördermitteln. Diese Koordination zwischen Behörden und Geflüchteten ist oft ein Vollzeitjob. Der Vorteil: Der Koordinator weiß genau, was Geflüchtete und Engagierte brauchen. Der Nachteil: Schnell kann es hierbei zu einer Überlastung einzelner Personen kommen.

Beim zweiten Modell handelt es sich um eine Netzwerk-Koordination. Hierbei gibt es keinen einzelnen, zentralen Akteur, sondern die Aktiven treffen ihre Entscheidungen an runden Tischen. Der Vorteil: Die Netzwerk-Koordination ermöglicht Austausch auf Augenhöhe. Der Nachteil: Es gibt keinen zentralen Ansprechpartner. Entscheidungen brauchen viel Zeit und Geduld. Hinzu kommt, dass die Augenhöhe zwischen Freiwilligen und Behörden-Mitarbeitern selten erreicht wird. Vor allem Engagierte, aber auch Geflüchtete erleben ihre Teilnahme deswegen nicht selten als Alibi, da die endgültige Entscheidung meist doch in den Behörden getroffen wird.

Das dritte Modell bildet die zentrale Koordinationsstelle in der Kommunalverwaltung. Hier gibt es einen hauptamtlichen Ansprechpartner, dem entsprechende Kompetenzen und Mittel zur Verfügung stehen. Seine Hauptaufgaben: Bedarfe und Angebote zusammenbringen, Informationen bündeln, Fördermittel, Austausch und Fortbildungen organisieren. Damit die Arbeit der zentralen Koordinierungsstelle wirkt, muss sie unabhängig arbeiten können und von den Initiativen akzeptiert sein. Außerdem sollte sie auf die Unterstützung der Initiativen ausgerichtet sein.

Politische Wirkung gegen rechte Stimmungsmache

„Gerade jetzt nach den Gewalttaten der vergangenen Wochen, an denen offenbar auch Flüchtlinge beteiligt waren, sind die engagierten Freiwilligen eine zentrale Stütze. Denn: Durch ihre Arbeit wird in den Kommunen eine positive Stimmung gegenüber Geflüchteten erhalten. Diese Dimension des Engagements hat politische Wirkung gegen rechte Stimmungsmache. Die Gruppen und Vereine stärken somit den Zusammenhalt der Gesellschaft“, betont Bettina Windau. Städte und Gemeinden seien gut beraten, auch künftig Koordinationsstellen aufzubauen und freiwilliges Engagement öffentlich mehr anzuerkennen.