Heidelberger Registrierungszentrum läuft auf Hochbetrieb

In der ehemaligen US-Siedlung Patrick-Henry-Village können nach dem Abschluss der Ausbauarbeiten bis zu 600 Flüchtlinge am Tag registriert werden. Die Einrichtung ist bundesweit einmalig und gilt in vielen Bereichen als beispielhaft. Markus Heffner hat für fluechtlingshilfe-bw.de die neue Einrichtung besucht.

Die Stadt ist voller Leben an diesem Dienstagmittag, an dem sich der Spätherbsthimmel über Heidelberg in seinem schönsten Blau zeigt. Unter einem Baum sitzt ein Grüppchen Menschen auf Holzbänken beisammen und genießt das Mittagessen in der Sonne, während ein ganzer Strom an Frauen und Männern mit Essensboxen, Vespertüten und Wasserflaschen an ihnen vorüberzieht. Vor einem Haus spielen ein paar Jungs Fußball, zwei Mädchen rollen mit ihren Inlineskates die Straße hinunter, auf der ihnen ein weißer Reisebus im Schritttempo entgegenkommt.

Häufig Delegationen zu Besuch

In dem Bus sitzen zwei Dutzend Neuankömmlinge, die wie alle Menschen an diesem Ort eine ähnliche Geschichte haben, ein ähnliches Schicksal, das sie hierher geführt hat: Es sind Flüchtlinge, die vor Krieg und Verfolgung aus ihrer Heimat geflohen sind und Hilfe in Deutschland suchen. An manchen Tagen kommen an den Grenzen bis zu tausend Menschen an, die alle registriert und auf ihre Gesundheit untersucht werden müssen. Um diesen Ablauf möglichst effektiv gestalten zu können, hat das Land Baden-Württemberg in den vergangenen Wochen und Monaten die ehemaligen US-Siedlung Patrick-Henry-Village am Rande Heidelbergs zu einer zentralen Registrierungsstelle umgebaut, die in vielen Bereichen beispielhaft ist und seither regelmäßig von Delegationen aus ganz Deutschland besucht wird, wie Alexander Billmaier von der zuständigen Projektgruppe erklärt.

Jeder Neuankömmling bekommt einen Laufzettel

Herz der Anlage ist die ehemalige amerikanischen Grundschule, in der nun an 40 modernen Schaltern die einzelnen Vorgänge bearbeitet und die Untersuchungen durchgeführt werden können. Jeder neue Flüchtling bekommt dabei zunächst eine Art Laufzettel, der gleichzeitig als Ersatzausweis dient. Sind die persönlichen Daten erfasst, folgt an der zweiten Station die erkennungsdienstliche Behandlung, bei der Fingerabdrücke genommen und Fotos gemacht werden. „Das ist wichtig, weil häufig kein Pass vorhanden ist“, erklärt der Projektleiter Michael Willms vom Regierungspräsidium Karlsruhe.

Gesundheitscheck in der Landessprache

Nach der eigentlichen Registrierung werden die Flüchtlinge auf ihren gesundheitlichen Zustand untersucht, wobei ab einem Alter von 15 Jahren alle geröntgt werden, um etwa Tuberkulose entdecken zu können. Etwa pro hundert Untersuchten habe man drei positive Befunde, sagt Thomas Schell vom Gesundheitsamt Rhein-Neckar-Kreis, der für die medizinische Abteilung in der Registrierungsstelle verantwortlich ist. Um sich nicht lange mit sprachlichen Barrieren aufhalten zu müssen, wurde für den Gesundheitscheck eine Anwendung entwickelt, mit der die Flüchtlinge auf einem Tablet in ihrer jeweiligen Landessprache durch den Test geführt werden. „Husten?“ „Fieber?“ „Medikamente?“ Dieses Vorgehen habe sich sehr bewährt, sagt Thomas Schell.

Beschleunigung der Verfahrensdauer

Bis zu 600 Flüchtlinge können auf diese Art und Weise an einem einzigen Tag erfasst und untersucht werden, wobei die Schalter von 8 bis 22 Uhr geöffnet sind und im Zweischichtbetrieb besetzt werden. Wurden im Laufzettel alle Stempel gesammelt, können die Flüchtlinge im Nachbargebäude ihre Asylanträge stellen, die von bis zu 60 Mitarbeitern des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge direkt vor Ort bearbeitet werden. Zwischen drei und fünf Tage soll es im Idealfall dauern, bis alles erledigt ist, was eine immense Beschleunigung der bisherigen Verfahrensdauer ist und insbesondere auch die einzelnen Landeserstaufnahmeeinrichtungen (LEA) entlasten wird.

Die Dankbarkeit der Menschen ist spürbar

In den 33 Wohngebäuden der ehemaligen US-Siedlung, in der auch zwei Kirchen stehen, können derzeit bis zu 5000 Flüchtlinge untergebracht werden. So lange die Formalitäten nicht abgeschlossen sind, werden die Asylbewerber hier einquartiert und von einem externen Caterer verpflegt. Haben sie eine gute Bleiberechtsperspektive, werden sie nach Abschluss der Verfahrens direkt auf die Stadt- und Landkreise verteilt. Eine große Hilfe bei der Betreuung der vielen Menschen sind die ehrenamtlichen Einrichtungen wie die Initiative „Kirchheim sagt Ja“, die sich auf verschiedenste Weise um die Flüchtlinge kümmert. Unterstützt wird das Land bei seiner Arbeit zudem von derzeit rund 130 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die an den einzelnen Schaltern, in der Röntgenstation oder anderswo eingesetzt werden. „Der Betrieb läuft schon sehr gut, einzelne Prozesse müssen noch weiter optimiert werden“, sagt Oberstleutnant Ralf Scheffel, der die militärische Leitung hat. Auch Projektleiter Michael Willms ist schon sehr zufrieden mit dem bisher Erreichten, wie er sagt: „Wir spüren jeden Tag die große Dankbarkeit der Menschen.“ (mh)

 

Fotos: Markus Heffner