Neue Ausstellung erzählt Überlebensgeschichten

Foto: Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Wie begegnet Baden-Württemberg Menschen, die vor kurzem in den Südwesten geflohen sind?  Dieser Frage geht das Haus der Geschichte in seiner neuen Ausstellung  „Überlebensgeschichten von A bis Z“ nach, die bis zum April nächsten Jahres zu sehen ist. Zur Schau gehören 26 Vitrinen mit verschiedenen Exponaten, die Geschichten vom Fliehen und Ankommen erzählen.

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg blickt aus der Perspektive von Geflüchteten auf das Land: Aus dem „Baden-Württemberg-ABC“ werden vom 19. Februar 2017 bis zum 8. April 2018 „Überlebensgeschichten von A bis Z“. Bisher empfing das Stuttgarter Museum seine Besucher mit 26 Vitrinen, die Objekte zu typisch baden-württembergischen Eigenschaften, Klischees und Besonderheiten enthielten. Nun sind 26 Stücke mit beeindruckenden Geschichten vom Fliehen und Ankommen vor dem Gebäude und im Foyer ausgestellt – von A wie Angst bis Z wie Zulassung. „Damit greift das Haus der Geschichte wieder Themen innovativ auf, die brandaktuell sind oder unsere Gegenwart in besonderer Weise beeinflussen“, so der Leiter des Hauses der Geschichte, Prof. Dr. Thomas Schnabel.

Die Ausstellung „Überlebensgeschichten von A bis Z“ will Geflüchteten Stimme und Raum für ihre Sichtweisen geben. Die Vitrine „B“ wie Barriere etwa erzählt von Siba Naddafs Isolation in der ersten Zeit im Land. Der Rollstuhl der jungen Frau ist auf der Flucht aus Syrien zerstört worden. In Karlsruhe beschaffte ihr ein ehrenamtlicher Unterstützer zwar Ersatz. Aber weil die Gemeinschaftsunterkunft nicht barrierefrei ist, konnte sie ihr Zimmer im ersten Stock nicht verlassen.

Schmerzhafte Erinnerungen enthält die Vitrine „M“ wie Marsch: ein Paar Schuhe, das eine junge Irakerin auf dem gesamten Weg nach Deutschland trug. Seit ihrer Ankunft in Baden-Württemberg trägt sie die Schuhe nicht mehr, die Teil der Schuluniform im Irak waren. Doch sie ist nicht bereit, die Schuhe wegzuwerfen. Denn die Erinnerung an die Flucht und die anfängliche Einsamkeit bleiben wichtig für sie.

In Workshops an verschiedenen Orten des Landes, in Unterkünften, Frauencafés, Sprachkursen, Schulen oder im Museum selbst haben Geflüchtete miteinander oder allein erarbeitet, welchen Teil ihrer Lebensgeschichte sie vorstellen wollen. Dabei stehen wie im Vorgänger-ABC Objekte im Mittelpunkt, die Geschichten erzählen. Es werden keine vollständigen Biographien ausgestellt, die Menschen auf ihren Fluchtstatus reduzieren. Die Vielstimmigkeit der Ausstellung und ihr Begleitprogramm sollen zu Gesprächen zwischen Neuangekommenen und Alteingesessenen einladen.